Eschborn (ots) – Ein Spiegelbild der aktuellen gesellschaftlichen Debatte waren die 15. Eschborner Gespräche bei der VR LEASING. Unter dem Motto “Spielball der Politik? Gesellschaft und Mittelstand vor der Zerreißprobe” diskutierten am Abend prominente Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Medien. Zu der von der TV-Journalistin Sandra Maischberger moderierten Runde zählten Hans-Ulrich Jörges (Mitglied der Chefredaktion des “Stern”), der Unternehmer Heiner Kamps, Dr. Martin Lindner (technologiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion) und Dr. Ulrich Schneider (Hauptgeschäftsführer Paritätischer Wohlfahrtsverband).
“Es brodelt in Deutschland”, kommentierte Reinhard Gödel, Vorstandsvorsitzender der VR-LEASING AG, in seiner Begrüßungsrede die derzeitige Stimmung in der Gesellschaft. Auch wenn nun wieder vom Aufschwung gesprochen werde, seien die Folgen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise noch längst nicht verdaut. Als mittelstandsnaher Spezialfinanzierer wisse die VR LEASING, wovon sie spreche. “Wir sind ein Seismograph des Mittelstands”, erklärte Gödel. Die aktuelle Unsicherheit und Suche nach Orientierung reichten jedoch weiter – vom Mittelstand über die Politik bis tief hinein in die Gesellschaft, so der Vorstandsvorsitzende.
“Der Mittelstand hält den Laden zusammen” Der Journalist Hans-Ulrich Jörges deutete den aktuellen Aufschwung als Beweis der Stärke des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Der Politik sei die wieder erstarkte Konjunktur jedoch nicht zu verdanken. “Selten hat eine Regierung so wenig zu einem Aufschwung beigetragen wie Schwarz-Gelb”, betonte er. “Es sind die Leistungen der Unternehmen, die ihn uns gebracht haben. Wir leben in Zeiten des demographischen Wandels – die Arbeitnehmer werden gebraucht, die Arbeitsplätze sind da!” Gerade Familienunternehmer gäben auch schwer vermittelbaren Arbeitslosen eine Chance. “So funktionieren Mittelständler – sie haben eine soziale Verantwortung”, erklärte er. Die zunehmenden gesellschaftlichen Proteste gegen Regierungspolitik deutete er als Zeichen eines tiefgehenden Vertrauensbruchs. Doch während viele Institutionen in der Vertrauenskrise steckten – vom Bundestag über die Großbanken bis hin zur katholischen Kirche – vertrauten mehr als drei Viertel der Arbeitnehmer ihrem mittelständischen Arbeitgeber. “Der Mittelstand ist die Substanz, die in der Krise den Laden zusammenhält”, so der Journalist.
Kamps sieht Kreditklemme
Auch Heiner Kamps stellte die wichtige Rolle des Mittelstands für den Aufschwung heraus. “Die Konjunktur wird vom Mittelstand getragen”, so Kamps. Doch hänge die weitere Entwicklung vor allem davon ab, wie mit den Risiken innerhalb der Banken umgegangen werde. Er erlebe häufig, wie schwierig es für Mittelständler sei, zu investieren. “Auch wenn gesagt wird, es gibt keine Kreditklemme – es gibt sie! Und das gerade jetzt, wo die Konjunktur anläuft.” Positiv beurteilte er, dass seit dem neuen Aufschwung Substanzwerte wieder als wichtig erachtet werden. “Der Mittelstand hat das immer getan”, betonte Kamps. “Die Großindustrien dagegen rufen bei Problemen sofort nach der Politik. Ein Mittelständler hat gar keine Zeit dazu.” In die Zukunft blickte der Unternehmer jedoch optimistisch: “Ich habe 20 Jahre lang in Deutschland investiert und werde es auch weiterhin tun.”
Politik in der Zwickmühle
“Politik kann nicht viel nützen, aber viel schaden.” Mit dieser provokanten These überraschte Dr. Martin Lindner die Zuhörer. Er beklagte die oftmals fehlenden Gestaltungsspielräume im politischen Alltag, betonte jedoch die grundsätzliche Rolle der Politik als Weichensteller. “Wir müssen für einen soliden Aufschwung günstige Rahmenbedingungen schaffen”, erklärte er. Die Integrationsmöglichkeiten von “Problemgruppen” am Arbeitsmarkt seien dabei ebenso zu berücksichtigen wie die Frage, wie die Mittelschicht entlastet werden könne. Viele mittlere Einkommen, rechnete Lindner vor, lägen nach Abzug aller Abgaben nahe an Hartz IV. Dieser fehlende Abstand zwischen den Einkommen Berufstätiger und Beziehern von Sozialleistungen müsse kritisch diskutiert werden. Er appellierte an die deutschen Unternehmer, sich politisch stärker einzumischen: “Seien Sie aktiv und gestalten Sie mit. Es ist auch Ihr Land!”
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung koppeln Den Fokus auf die sozialstaatliche Dimension der Debatte richtete Dr. Ulrich Schneider. Am Beispiel von Hartz IV kritisierte er ein mangelndes Verantwortungsgefühl der Regierung gegenüber sozial Benachteiligten und verwies zugleich auf die zunehmende Verfestigung sozialer Ungleichheiten. “Wirtschaftliche Erfolge sind eine Grundvoraussetzung für die Ausgestaltung des Sozialstaates”, betonte Schneider. Die Verteilungsfrage dürfe dabei nicht ausgeblendet werden. “Wenn die wirtschaftliche und die soziale Entwicklung auseinandergehen, wird das gesellschaftliche Fundament zerstört”, unterstrich er. Die soziale Balance wiederherzustellen, sei Aufgabe der Politik. Sonst, so sein düsterer Ausblick, “verliert das Wirtschaftssystem bei den Menschen seine Akzeptanz”.
Diskussionsreihe mit Tradition
Bei den Eschborner Gesprächen der VR LEASING diskutieren Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Religion und Sport einmal im Jahr am Eschborner Stammsitz der VR LEASING über ein brisantes und aktuelles Thema. Mit der 1996 ins Leben gerufenen Veranstaltung spricht das Unternehmen gesellschaftliche Probleme an und zeigt zugleich pragmatische Lösungen auf.
Die VR LEASING-Gruppe (Eschborn) verschafft kleinen und mittleren Unternehmen neue Freiräume. Dazu arbeitet der Spezialanbieter für mittelstandsorientierte Finanzierungen im FinanzVerbund der Volksbanken Raiffeisenbanken mit rund 1.100 Partnerbanken zusammen. Mehr als 2.500 mittelständische Händler und Hersteller sind Vertriebs- und Kooperationspartner. Zum Produktportfolio zählen Leasing- und Kreditangebote für Fahrzeuge, Maschinen, Energie- und Umwelttechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie gewerbliche Immobilien. Neben der Absatz- und Einkaufsfinanzierung bietet die VR LEASING-Gruppe auch Factoring und Zentralregulierung an. In zehn mittel- und osteuropäischen Ländern sind eigene Tochter- und Beteiligungsgesellschaften aktiv. Getreu dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe” übernimmt das Haus gesellschaftliche Verantwortung, beispielsweise durch die Förderung von Mikrokrediten in Osteuropa.
Zu den Unternehmen der VR LEASING-Gruppe gehören BFL Leasing, Lombard Pénzügyi és Lízing, Ungarn, VB LEASING International Holding, Wien, FB-LEASING OOO, Moskau, VR BAUREGIE, VR DISKONTBANK, VR FACTOREM, VR medico LEASING.
Pressekontakt:
Für weitere Fragen: Hanswolf Hohn, Pressereferent, VR-LEASING AG,
Hauptstraße 131-137, 65760 Eschborn, Tel.: 06196.99.4451,
Fax: 06196.99.3570, E-Mail: hanswolf.hohn@vr-leasing.de, Internet:
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