München (ots) – In Berlin erreichte die Piratenpartei aus dem Stand neun Prozent, dennoch gelten sie als Internet-Partei. Was können die Piraten darüber hinaus bieten?
Stefan Körner: Wir haben den Wählern in Berlin nicht nur das Thema Internet geboten, sondern eine Art Lebensgefühl. Wir sind anders und stehen für ein Lebensgefühl, das mehr Freiheit verspricht. Das kommt gerade bei jungen Wählern gut an.
Die Piratenpartei wirkt sehr männerdominiert…
Körner: Der Männeranteil bei uns ist deutlich größer, allerdings bessert sich das Verhältnis. Bei uns spielt das Geschlecht aber gar keine Rolle, in der Mitgliederverwaltung wird es noch nicht einmal registriert.
Wird es für die Piratenpartei einfach, sich auf Feldern wie der Steuer- oder der Sozialpolitik auf gemeinsame Positionen zu einigen?
Körner: Das wird spannend. Wir haben eine bestimmte Vorstellung von Kommunikation, auf anderen Feldern liegen die Vorstellungen weiter auseinander. Wir sind basisdemokratisch organisiert, bei Parteitagen gibt es keine Delegierten, jedes Mitglied darf abstimmen. Also entscheidet die Basis, wohin die Reise geht. Dass es dabei Reibereien gibt, liegt in der Natur der Sache – und es macht das Wesen unserer Bewegung aus.
Was können Sie in Bayern erreichen?
Körner: Wir werden es wie die Berliner machen und um ein möglichst gutes Ergebnis kämpfen. Berlin beweist, dass die fünf Prozent keine Hürde sind, an der wir zwangsläufig scheitern müssen. Auch in Bayern haben wir eine realistische Chance, in den Landtag einzuziehen!
Beschreiben Sie bitte das Lebensgefühl, das die Piraten ausmacht.
Körner: Wir halten Kommunikation, die überwacht und zensiert wird, für Gift für die Demokratie. Deswegen kämpfen wir beispielsweise so vehement gegen die Vorratsdatenspeicherung. Allerdings wollen wir unser Themenspektrum verbreitern. In Bayern haben wir ein Volksbegehren gestartet, um die Studiengebühren abzuschaffen, weil wir überzeugt sind, dass die gut ausgebildete Gesellschaft wichtig für unsere Zukunft ist.
Interview: Marc Kniepkamp
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