Trier (ots) – Das Experiment Jamaika-Koalition ist im Saarland gescheitert. Erst seit wenigen Monaten im Amt, hat die saarländische CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer die Zusammenarbeit mit der FDP und den Grünen aufgekündigt. Mit der zerstrittenen Landes-FDP kann sie nicht zusammenarbeiten, begründete Kramp-Karrenbauer den radikalen Schnitt, der, zumindest vom Zeitpunkt her, viele im Saarland überrascht hat. Die Grünen am Jamaika-Tisch dürfen sich als Bauernopfer fühlen, ihnen gehört in Zukunft wieder ein Platz auf der Oppositionsbank. Ob es da nun noch ein paar Bänke für die Saar-Liberalen gibt, hängt ganz von der SPD ab.
Kommt nach Jamaika die große Koalition, haben die FDPler noch eine Galgenfrist im Landtag, kommt es zu Neuwahlen, werden die saarländischen Wähler die kleine Partei nach dem unerträglichen monatelangen Gezänk sicher in die politische Wüste schicken. Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas ist in den kommenden Tagen und Wochen der Mann, der sowohl sein Schicksal als auch das von Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer und den letzten FDP-Protagonisten in Händen hält.
Geht er auf das Angebot der CDU ein und stimmt einer großen Koalition zu, bleibt für ihn der Posten des Kronprinzen. Ein Superminister von der Saar, der bis zur nächsten Landtagswahl Zeit hat, sich als besserer MP zu empfehlen. Doch diese Zeit könnte auch Annegret Kramp-Karrenbauer nutzen. Die noch junge Ministerpräsidentin hat mit dem schnellen und klaren Aus für die Regierungskoalition an Profil gewonnen. Schlagen Heiko Maas und seine Genossen das Regierungsangebot aus, müssen die rund eine Million Saarländer einen neuen Landtag wählen. Es braucht keinen großen Wahrsager, um das Ergebnis vorherzusagen. SPD und CDU kämpfen um die Vormachtstellung, die Grünen bleiben im niedrigen zweistelligen Bereich, die FDP wird in ihrer jetzigen Verfassung aus dem Parlament fliegen.
Am Ende läuft also auch bei Neuwahlen alles auf eine große Koalition hinaus. Hat Heiko Maas dann nicht die Nase vor Kramp-Karrenbauer, ist seine politische Karriere beendet. Der SPD-Mann wird in den kommenden Tagen sicher keine ruhigen Nächte haben. Aber im Gegensatz zu den FDP-Granden kann er sicher schlummern wie ein kleiner Prinz.
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