Ulm (ots) – KOMMENTAR zu SCHULDENKRISE
Ausgabe vom 15.09.2011
So schnell ändern sich die Vorzeichen. China ist immer noch oft und vorrangig die gelbe Gefahr, die im Westen Arbeitsplätze vernichtet sowie den Dalai Lama und die Menschenrechte unterdrückt. Und jetzt soll das Reich der Mitte zum reichen Onkel werden, der die Europäer aus ihrem Schuldenturm befreit? Verkehrte Welt: Die Amerikaner, immer noch auf Rang zwei der Reichen-Rangliste, leben wie einige Euroländer über ihre Verhältnisse. Dagegen spart das kommunistisch-kapitalistische China, das bei allen Rekorden noch meilenweit von westlichen Wohlstandsstandards entfernt ist, riesige Währungsreserven an. Mit ihnen will sich Peking schneller Zugang zum Club der anerkannten Marktwirtschaften verschaffen. Es geht dabei nachrangig darum, dass sich die wirtschaftliche Weltmacht auch als solche respektiert sehen will. Vorrangig sind eigene Interessen. Pragmatismus ist der Hauptwesenszug, der China so unheimlich erstarken ließ. Darum geht es auch jetzt: besserer Zugang zu Märkten, größerer wirtschaftlicher Einfluss. Pragmatisch ist auch das Eigeninteresse am Euro. Nicht nur, weil man auf unzähligen Milliarden davon sitzt, sondern weil China den Euro zusammen mit der eigenen Währung auch als Gegen- und Gleichgewicht zum Dollar sieht. Geld gibt es nicht umsonst – so einfach ist das Angebot aus Fernost. Ob es dann auch nachgefragt wird im Westen, kann China abwarten – selbstbewusst und pragmatisch.
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Südwest Presse
Lothar Tolks
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