Ulm (ots) – Einer muss den Anfang machen
Beim Thema Banken und Börsen funktioniert die sattsam bekannte Lagerbildung besonders gut. Die einen sehen hier nur Spekulanten und Zocker am Werk, während die Geldbranche gern den Teufel vom wirtschaftlichen Niedergang an die Wand malt, sollte sie über Gebühr belastet werden. Die Diskussion um die Finanztransaktionssteuer verläuft nach diesem Muster, das wenig Zwischentöne erlaubt. Es ist gut, wenn die EU jetzt eine minimale Steuer erheben will, wenn Geld gehandelt wird. Natürlich sind die Bedenken gegen eine solche Steuer berechtigt: Sie kostet auch den Privatanleger Gebühren, sie kann auch jene Banken belasten, die man besser nicht belasten sollte. Sie kann auch Wirtschaftswachstum bremsen und – das stärkste Gegenargument – dorthin verlagern, wo es diese Steuer nicht gibt. Leider wird sie niemals weltweit eingeführt werden, vermutlich nicht einmal überall in Europa. Warum ist die Besteuerung von Finanzgeschäften trotzdem eine gute Sache? Weil sich die Finanzindustrie in einem, gelinde gesagt, ungesunden Maße von der Realwirtschaft abgekoppelt und derart aufgebläht hat, dass sie längst mehr als nur zur verborgenen Gefahr geworden ist. Nach der Finanzkrise vor drei Jahren hat die Politik weltweit heiße Eide auf die Zähmung des Finanzkapitalismus geschworen. Zu zaghaft war, was folgte. Die EU setzt das richtige Zeichen zur richtigen Zeit. Einer muss den Anfang machen.
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