Südwest Presse: KOMMENTAR · FDP



Ulm (ots) – War da was? FDP-Chef Philipp Rösler hat die Debatte über Guido Westerwelle offiziell für beendet erklärt – nachdem er einen Tag zuvor noch mehrdeutig wissen ließ, alle FDP-Minister befänden sich auf Bewährung im Amt. Röslers Eiertanz verwundert nicht, er ist geradezu ein Markenzeichen der FDP geworden. Ob dem Vorsitzenden mit dieser Taktik Erfolg beschieden ist und er Ruhe in seine zerzauste blau-gelbe Truppe bringt, ist dabei so zweifelhaft wie seine Führungsstärke. Denn die FDP will vor allem keine Personaldebatte, weil sie sich diese mangels geeigneten Personals nicht leisten kann: Guido Westerwelle bleibt Außenminister, weil es nicht anders geht, nicht weil er seinen Aufgaben gewachsen ist. Was in diesen Tagen aus der Führungsriege der FDP dringt, erinnert fatal an jene Diskussion, die im Frühjahr mit Westerwelles Sturz als Parteivorsitzendem endete: Er blieb Chef, bis Ersatz in Sicht war – was damals schon Probleme bereitete. Einmal mehr zeigt sich nun, dass die FDP den längst fälligen Generationenwechsel viel zu spät vollzogen hat – mangels überzeugender Alternativen ebenso wie aus falsch verstandenem Respekt gegenüber jenen Altliberalen, die seit Jahrzehnten den Ton angeben. Der Neuaufbruch der FDP ist schwieriger, als Röslers lockere Ankündigungen bei seinem Amtsantritt im Mai Glauben machen sollten. So präsentieren sich die Liberalen in bewährter Form: Herabgesunken zu bloßen Verwaltern eines Liberalismus der sozialen Kälte und meist mit sich selbst beschäftigt. Am Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Die Skala der Bedeutungslosigkeit ist nach unten offen.

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Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218

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