Ulm (ots) – Es gibt Handelserfolge, auf die ein Land nicht stolz
sein sollte, auch wenn es um den Rang als Exportweltmeister kämpft.
Dazu zählt Deutschlands Spitzenposition unter den Kriegskaufleuten.
Kein anderer der führenden Exporteure hat im vorigen Jahrzehnt derart
zugelegt wie die deutsche Rüstungsindustrie.
Prima Geschäfte? Keineswegs. Denn erstens sind Waffenlieferungen
traditionell stark subventioniert. Zweitens, und das ist wichtiger:
Dieser Handel trägt zur globalen Destabilisierung bei. Schließlich
zählen auch Iran, Vietnam und Venezuela zu den 55 Ländern, die
deutsches Kriegsgut erhalten.
Hinter den USA und Russland nimmt Deutschland in der Reihe der
Waffengroßhändler Rang drei ein, vor früheren Rüstungsimperien wie
Frankreich und Großbritannien. Die meisten Käufer deutscher Waffen
mögen gefestigte Demokratien sein. Aber auch die Versorgung von
Dauerrivalen wie Griechenland und die Türkei mit U-Booten ist kein
Akt der Entspannung. Auch China und Taiwan, Israel und Jordanien
zählen zu den Kunden. Der Besitz von Waffen verführt zum Krieg.
An diesem Handel ist die Finanzkrise bisher fast unbemerkt
vorbeigezogen. Das wird wohl nicht so bleiben. Ein Pleitestaat wie
Griechenland wird seinen Spitzenplatz als Rüstungskunde kaum bewahren
können. Aber der Trend zeigt, dass viele Regimes beim Militär zuletzt
sparen. Durch Waffenstärke werden ärmere Nachbarn gezwungen
mitzuziehen. Man könne sich fragen, ob dies in Regionen mit großer
Armut eine angemessene Anwendung der Ressourcen sei, fragt der
Sipri-Rapport über den weltweiten Waffenhandel. Die Antwort ist
einfach: Nein.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218
No Comments on "Südwest Presse: Kommentar zum Thema Waffenhandel"