Ulm (ots) – Nicht jede Information, die der
Bundesnachrichtendienst aus aller Welt in die Heimat funkt, gehört
auf die Goldwaage. Manchmal machen sich die Kundschafter aus Pullach
nur wichtig, zuweilen sitzen sie dubiosen Quellen oder gezielten
Falschmeldungen anderer Geheimdienste auf. Außerdem ist die Lage auf
den Kriegsschauplätzen fern der Heimat häufig so unübersichtlich,
dass erste Einschätzungen durchaus trügerisch sein können.
Dennoch hätten in Berlin die Alarmglocken klingeln müssen, als der
BND wenige Stunden nach dem folgenreichen Bombeneinsatz in Kundus mit
allem Vorbehalt berichtete, dass sich auch viele Zivilisten unter den
Opfern befunden haben könnten. Das freilich passte der
Bundesregierung, wenige Wochen vor der Bundestagswahl Ende September
2009, nicht ins Konzept. Also leugnete man, so lange es nur ging.
Die Kundus-Affäre hat bisher schon drei Männer das Amt gekostet:
Ex-Verteidigungsminister Jung, Generalinspekteur Schneiderhan und
Staatssekretär Wichert. Das Jagdfieber der Opposition entzündet sich
jetzt an weiteren Beteiligten. Unbequem wird es vor allem für die
Bundeskanzlerin, in deren Verantwortungsbereich die brisanten
Informationen aus Afghanistan landeten.
Angela Merkel wird dem Untersuchungsausschuss also einiges zu
erklären haben. Sie kann sich nicht länger hinter ihrem Bauernopfer
Jung verstecken.
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Südwest Presse
Lothar Tolks
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