Ulm (ots) – Wäre es in der Mediendemokratie nicht allzu blauäugig,
man müsste der Republik in Sachen Bundeswehr-Luftschlag eine
Diskussionspause wünschen, bis einigermaßen präzise alle vorhandenen
Fakten vorliegen. Da das nicht geht, darf von den beteiligten
Akteuren zumindest große Zurückhaltung erwartet werden, um dem
Afghanistaneinsatz der Bundeswehr nicht völlig die Akzeptanz zu
entziehen und das Vertrauen der Soldaten in ihre politische Führung
ganz zu untergraben.
Leider hat sich das ausgerechnet Verteidigungsminister zu Guttenberg,
der zunächst ohne eigenes Zutun in die heikle Affäre hereingeraten
ist, in den letzten Tagen immer weniger zu Herzen genommen. Seine
nassforsche Vorwärtsverteidigung in TV-Talkshows wie auf der
politischen Bühne wird aber der Bedeutung des Vorgangs nicht gerecht.
Wenn ein besonnener Soldat wie der geschasste frühere
Generalinspekteur Schneiderhan den Minister öffentlich der Unwahrheit
bezichtigt, geschieht das sicher nicht ohne gründliche Abwägung.
Nicht nur seine Art, Klartext zu reden und Dinge beim Namen zu
nennen, die andere verbrämen, sondern auch seine Souveränität, seine
Distanz auch zum eigenen Tun, haben zu Guttenberg in Rekordzeit zum
populärsten deutschen Politiker gemacht. Derzeit reagiert er wie ein
in die Ecke gedrängter Boxer mit wilden Rundumschlägen. Das wird
weder ihm noch seinem Amt gerecht.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
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