Heidelberg (ots) – Von Klaus Welzel
Kein Zweifel: Was hinter kirchlichen Mauern – wie zum Beispiel denen
des Klosters Ettal – geschah, ist grauenvoll gewesen.
Kindesmissbrauch, Quälereien, wie man sie weder dort noch woanders
vermutet hätte. Doch: Diese Fälle werden jetzt – wie viele anderen
auch – aufgearbeitet. Und das nach Richtlinien, die sich die Kirche
im Jahr 2003 auferlegte. Denn auch für den Vatikan ist
Kindesmissbrauch ein Fall für den Staatsanwalt.
Es hat zwar ein bisschen gedauert, bis die vatikanische Abteilung
“PR” in Schwung kam. Aber durch die Veröffentlichung der nun schon
sieben Jahre alten Richtlinien zeigt die römisch-katholische Kirche,
dass sie das Kapitel “Vertuschen und Verschweigen” längst
zugeschlagen hat. Wie sich überhaupt die berechtigte Frage stellt:
Kann es sein, dass unter dem theologisch konservativen Papst Benedikt
XVI. die Aufarbeitung weltlicher Verbrechen erst möglich wird? Ist
Benedikt gar ein offenerer Papst als sein charismatischer Vorgänger?
Jedenfalls demonstriert die Katholische Kirche heute den Willen zur
Wandlung. Um es mit dem mittlerweile rehabilitierten Ketzer Galileo
Galilei zu sagen: “Und sie bewegt sich doch”. Seltsam allerdings,
dass die bayrischen Bischöfe jetzt fordern, was der Vatikan längst
erlassen hatte.
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