Heidelberg (ots) – Von Klaus Welzel
Die Geographie hat der Politik manchmal einiges voraus: Die Türkei
gehört geographisch nur zu einem sehr kleinen Teil zu Europa.
Politisch verhält es sich ähnlich. Kulturell ebenfalls. Und dennoch
tun beide Seiten gut daran, den Dialog fortzusetzen. Weil die Türkei
strategisch ein wichtiger Partner ist, weil das Land die Brücke zum
Islam darstellt und weil es wirtschaftlich immer potenter wird. Dass
es derzeit von einem unbeherrschten Politiker regiert wird, mag zwar
ärgerlich sein – aber schlimmer als der christlich geprägte
Berlusconi ist der Moslem Erdogan auch nicht. Wirtschaftlich sogar
wesentlich vernünftiger.
Angela Merkel hat all das bei ihrem zweitägigen Türkeibesuch
berücksichtigt. Gleichermaßen die Tatsache, dass die Türken die
größte Migrantengruppe in Deutschland darstellen. Auch hier hilft nur
ein Aufeinanderzugehen. Zumal mit der fortschreitenden Integration in
Deutschland sich eines Tages die Frage einer EU-Mitgliedschaft der
Türkei wohl ganz anders beantworten lässt als vom heutigen Standpunkt
aus. Merkel machte die Reise an den Bosporus zu einem Erfolg, weil
sie Emotionen weniger vertraut als ihrem Verstand. In der Moschee
ohne Kopftuch, ansonsten aber kooperativ. Die Tür bleibt halb auf.
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