Rheinische Post: Wulff und die Frage der Ehre = Von Martin Bewerunge



Düsseldorf (ots) – Der Leo-Baeck-Preis ist eine hohe Auszeichnung. Der Zentralrat der Juden ehrt damit Menschen, die sich in besonderer Weise für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt haben. Christian Wulff hat dies getan: Als Bundespräsident etwa besuchte er zusammen mit seiner damals 17-jährigen Tochter Annalena aus erster Ehe die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel. Das war mehr als eine nur in Worte gekleidete Botschaft, auch bei den jungen Deutschen dürfe der Holocaust nie in Vergessenheit geraten. Christian Wulff hat den Leo-Baeck-Preis verdient. Aber darf ein Bundespräsident zugleich an Preisgeldern verdienen, die mit solchen Ehrungen verbunden sind? Die Antwort erscheint vielen im Lande nicht wirklich schwierig: Er sollte es besser nicht, auch wenn es nicht verboten ist. Das Staatsoberhaupt erhält ja von Hause aus ein sehr ordentliches Salär, sogar ein Leben lang. Aus diesem Grund haben Wulffs Amtsvorgänger oder hochrangige Politikerkollegen Preisgelder stets umgehend gestiftet. Auch Christian Wulff schloss sich dieser guten Übung am Ende an. Zu spät. Durch sein langes Zögern hat er zugelassen, dass der Eindruck entsteht, er tue dies nicht aus Überzeugung. Wie unnötig. Einer wie Wulff darf sich nicht wundern, wenn als nächstes die Frage auftaucht: Wird er das gespendete Preisgeld womöglich von der Steuer absetzen?

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