Rheinische Post: Verrat in Kairo



Düsseldorf (ots) – Zum Demokraten wird man nicht über Nacht, und schon gar nicht, wenn man einem Diktator jahrzehntelang treu gedient hat. Das lässt sich jetzt auch im Fall der ägyptischen Generalität beobachten. Die Armee, beim Sturz Mubaraks noch vom Volk bejubelt, ist dabei, eine Militärjunta zu installieren. Statt wie versprochen den Weg in die Demokratie zu organisieren, versuchen die Generäle ihre Macht zu zementieren. Dafür sind alle Mittel recht. Proteste werden brutal unterdrückt, Kritiker als Agenten des Auslands diskreditiert und zu Tausenden vor Militärgerichte gestellt. Der Traum von Freiheit und Selbstbestimmung, den gerade viele junge Ägypter geträumt haben, wird schmählich verraten. Demokratie bedeutet, dass das Volk entscheidet. Auf diese Regel muss man auch gegenüber den Militärs am Nil pochen. Schon bemühen die Generäle wieder das islamistische Bedrohungsszenario, mit dem sich bereits ihr einstiger Gönner Mubarak dem Westen gegenüber gegen jede Form der Lockerung sperrte. Wir dürfen den Machthabern in Kairo jetzt nicht ein zweites Mal auf den Leim gehen. Auch bei der Wahl im benachbarten Tunesien haben islamistische Parteien unlängst die meisten Stimmen geholt – von einem Gottesstaat ist trotzdem keine Rede.

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