Düsseldorf (ots) – Man möchte gar nicht wissen, wie viel
politisch-parlamentarische Reputation das elende Feilschen um
Koalitionen in einem so zentral gelegenen Bundesland wie Thüringen
kostet. Das Wahlrecht, das solche Händel, Vorsondierungen,
Sondierungen, Gespräche, Verhandlungen immer häufiger befördert,
müsste geändert werden. Aber das ist erfahrungsgemäß ein ähnlich
frommer Wunsch wie derjenige, durch Thüringen möge ein Aufschrei der
Vernünftigen gehen für die große Koalition und gegen ein
politisch-ökonomisches Akrobaten-Trio mit der bestimmenden
Linkspartei vorneweg. Warum verbittet sich das niemand in Erfurt,
Weimar, Eisenach, Jena? Den Menschen geht es längst nicht so wohl,
als dass irgendjemand glauben könnte, sie könnten solch dünnes Eis
betreten.
Erfurts Linksparteichef Bodo Ramelow will mit seinem raffiniert
wirkenden Verzicht auf das Ministerpräsidenten-Amt und den Lockrufen
nach einer großen Unbekannten als Kabinettschefin SPD und Grüne auf
eine Leimrute kriechen lassen. Wenn Ramelow säuselt, es gelte “mit
Rot-Rot-Grün ein neues Kapitel deutscher Politik zu eröffnen”, muss
man ihm antworten: Neues Kapitel? – das mit Sicherheit. Aber eines
mit einer schlechten Story.
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