Rheinische Post: Schlechte Straße, gutes Geschäft Kommentar Von Ulli Tückmantel



Düsseldorf (ots) – Natürlich gibt es auf deutschen Straßen Raser,
die man zur Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen am
einfachsten dadurch bewegen kann, indem man sie gelegentlich mal an
einer besonders schmerzempfindlichen Stelle trifft: dem Portemonnaie.
Wenn jetzt aber schon Polizeibeamte beklagen, dass sie Bürgern hinter
Büschen bloß mit dem offenkundigen Ziel auflauern sollen, tüchtig für
die Staatskasse zu blitzen, hat das mit dem Sinn von
Verkehrsüberwachung nicht mehr viel zu tun. Das Ziel des
Innenministeriums, die Zahl der Verkehrstoten bis 2015 zu halbieren,
ist aller Ehren und Anstrengungen wert. Zur Wahrheit gehört aber
auch, dass manche Verkehrsüberwachung offenbar Investitionen in die
Infrastruktur ersetzt. Methode: Je kaputter die Straße, desto besser
das Geschäft. Im Jahr 2006 blitzte eine Polizei-Radarfalle bei Herne
in zwei Tagen 2280 Raser, von denen mehr als die Hälfte den
Führerschein abgeben musste. An der Blitzstelle war erst kurz zuvor
eine Tempo-80-Zone eingerichtet worden. Einziger Grund:
Straßenschäden. Dass in NRW vom Gemeindebürgermeister mit eigenem
Radarwagen bis zum Innenminister jeder das vom ihm erblitzte Geld
ohne jede Zweckbindung für seine eigene Kasse vereinnahmen darf,
nährt bei den Bürgern keineswegs zu Unrecht den Verdacht
unverhohlener und unsinniger Abzockerei.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2303  

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