Düsseldorf (ots) – Es riecht nach der deutschen Lust, einen
Hoffnungsträger zunächst hemmungslos zu überhöhen, um ihn dann als
unheimlich werdenden Super-Star umso tiefer stürzen zu lassen:
Karl-Theodor zu Guttenberg scheint plötzlich nur noch Feinde zu
haben; miserabler konnte sein Start als Verteidigungsminister kaum
sein. Zwar haben die Hauptverantwortlichen für das
Informationsdesaster nach dem Luftangriff von Kundus längst ihren Hut
genommen. Auch hat Guttenberg seine voreilige Anfangsbeurteilung
revidiert. Doch der Dauerbeschuss hält an, möglicherweise zur stillen
Schadenfreude der Kabinettskollegen, die den stolzen Bayern in der
Regierung gern eine Nummer kleiner sähen.
Nun dient ein bisher geheimer Bericht des Internationalen Roten
Kreuzes als neue Munition, dem Minister Versagen zu vorzuwerfen.
Tatsächlich wirft der Inhalt dieses Papiers Fragen auf, die der
Erklärung bedürfen. Aber er reicht doch nicht, um einen zweiten
Ministersturz zu inszenieren. Stattdessen haben die ständigen
Attacken eine fatale Wirkung auf die Soldaten, die in Afghanistan –
im Auftrag des deutschen Volkes – weiterhin täglich ihr Leben
riskieren: Sie müssen sich angesichts der für sie absurden
Polit-Debatte im Stich gelassen fühlen.
Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion
Telefon: (0211) 505-2303
No Comments on "Rheinische Post: Prügel für Guttenberg Von HELMUT MICHELIS"