Rheinische Post: Merkels Dauerkrise



Düsseldorf (ots) – Ein Kommentar von Martin Kessler:

Man kann der Kanzlerin nicht vorwerfen, dass sie die Dinge schönredet. In ihrer Neujahrsansprache versucht sie zwar, Zuversicht zu verbreiten und den Bürgern etwas Stolz auf das Erreichte zu vermitteln. Aber sie warnt auch, dass es im kommenden Jahr eher noch schwieriger werden dürfte als im alten. Dem kann man nur zustimmen. Die ökonomischen Daten zum Jahresausklang sind alles andere als beruhigend. Die deutsche Wirtschaft ist robust, dürfte aber eine längere Pause einlegen. Das Wachstum wird höchstens bei einem halben Prozent liegen. Zu wenig, um die müden Volkswirtschaften Europas anzuschieben. Die gigantische Verschuldung der Euro-Staaten von über zehn Billionen Euro wird eins ums andere Mal die europäische Währung herausfordern. Ob sie am Ende überlebt, ist unklar. Darüber können auch die beschwörenden Worte Merkels nicht hinwegtäuschen, dass Europa aus der Krise gestärkt hervorgehen werde. Das ist Pfeifen im Walde. Immerhin hat die Kanzlerin ihre Richtung gefunden. Sie hat ihr politisches Schicksal mit dem Euro verbunden. Wenn der scheitert, scheitert auch die Regierungschefin. Sie geht damit persönlich ein hohes Risiko ein. Das verdient Respekt.

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