Rheinische Post: Gold-Opfer Kommentar Von Thomas Reisener



Düsseldorf (ots) – Rettungsschirm, Euro-Bonds und Kredit-Hebel: Kaum jemand versteht, wovon die Politiker da eigentlich reden. Aus deren Sicht ist das vielleicht sogar hilfreich. Denn wäre den Wählern bewusst, dass die beschlossenen Maßnahmen zur Rettung des Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Deutschland bald zu Steuererhöhungen, Wirtschaftseinbruch und Kaufkraftverlusten führen, würden Banken und Politiker wohl mehr vom Volkszorn zu spüren bekommen als den der eher niedlichen Occupy-Aktivisten, die gerne vor Banktürmen zelten. Das ist das Gute an der Forderung des US-Präsidenten und einigen seiner europäischen Amtskollegen: Dass sie jetzt auch noch die Verpfändung der deutschen Goldreserven für die Rettung des Euros einfordern, rüttelt die Bevölkerung wach. Gold ist handfest. Deshalb macht das geforderte Gold-Opfer auch so anschaulich deutlich, was da gerade beim Gipfel in Cannes passiert ist: Offensichtlich reicht selbst der soeben erst auf eine Billion Euro aufgepumpte Euro-Rettungsschirm noch immer nicht aus, um den Euro vor Schuldensündern wie Griechenland, Italien oder Portugal zu beschützen. Politisch war die Gold-Debatte ungeschickt. Aber aus Bürgersicht aufschlussreich.

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