Rheinische Post: Euro-Rettungsanker



Düsseldorf (ots) – Ein Kommentar von Martin Kessler:

Die koordinierte Aktion der sechs führenden Notenbanken der Welt gegen die Schuldenkrise war psychologisch äußerst wichtig. Sie half den europäischen Banken, die keine Dollar-Kredite mehr erhielten, aus einer ernsten unverschuldeten Geldklemme. Ohne den beherzten Schritt hätte sich in der angespannten Situation das wiederholt, was nach der Lehman-Pleite passiert war. Die Banken hätten sich untereinander kein Geld mehr geliehen, ein Finanz-Crash mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft wäre das Ergebnis gewesen. Daraus zu folgern, nun müsse die Europäische Zentralbank (EZB) auch die maroden Anleihen der gefährdeten Euro-Länder aufkaufen, ist aber grundfalsch. Diese Länder leiden unter einem Glaubwürdigkeitsdefizit, nicht unter einem Liquiditätsproblem. Wenn sie mit ihren Sparprogrammen ernst machen, werden die Zinsen wieder sinken, was wiederum das Wachstum ankurbelt. Würde die EZB dagegen zum Retter aus der Finanznot, müsste sie die Inflationsmaschine anwerfen, mit allen Verzerrungen für Konjunktur, Sparer und Arbeitsmärkte. Die Notenbank des Euro würde mit dem Aufkauf der Schrottanleihen zur Bad Bank der Währungsunion. Über kurz oder lang wären die Tage des Euro gezählt.

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