Handelskammer legt Leitlinien für positive wirtschaftliche Entwicklung Bremens vor / Stadt und Region müssen sich globalen Trends frühzeitig stellen
Bildung, Wissen, Technologie
(pressebox) Bremen, 28.11.2008 – Unter dem Titel "Perspektive Bremen 2020" hat die Handelskammer heute Leitlinien für eine positive wirtschaftliche Entwicklung Bremens vorgestellt. Handelskammer-Präses Lutz H. Peper sagte: "Bremen muss sich rechtzeitig auf die sich verändernden nationalen und internationalen Bedingungen einstellen – auf Fachkräftemangel, demografischen Wandel, Ressourcenverknappung und vieles andere mehr. Wir müssen uns gerade jetzt, wo uns in der Folge der Finanzmarktkrise schwierige Zeiten bevorstehen, Gedanken darüber machen, wo für unseren Standort die Wachstumsfelder liegen und wie wir uns für die Zukunft positionieren können. Wenn wir das tun, dann kann Bremen die prosperierende, kreative und innovative Metropole einer dynamischen Wachstumsregion sein – kurz – ein Gewinner der Globalisierung, eine Stadt, die positiv und mit Lebensfreude der Zukunft zugewandt ist."
In ihrem Positionspapier benennt die Handelskammer fünf große Handlungsfelder: allen voran Bildung, Wissen und Innovation als Grundlage für jede weitere Entwicklung, außerdem maritime Logistik und Industrie, Energie- und Umweltwirtschaft, die Bereitschaft zu Veränderungen durch ein Venture-Klima sowie das Nutzen der Folgen des demografischen Wandels für Einzelhandel, Tourismus und Stadtentwicklung. Für Verbesserungen auf diesen Feldern macht das Papier konkrete Handlungsvorschläge, die gemeinsam mit Experten aus ganz Deutschland erarbeitet wurden. An der Positionierung "Perspektive Bremen 2020" waren beispielsweise die Deutsche Bank Research und die Berliner Agentur "Bohnen Kallmorgen & Partner – Politische Analyse und Kommunikation" beteiligt.
Präses Peper: "Mit diesem Papier macht die Handelskammer den Aufschlag für die dringend notwendige Diskussion um die Positionierung unseres Landes im internationalen Standortwettbewerb. Die Wirtschaft stellt nicht nur Forderungen an die Politik, sondern nimmt sich selbst in die Pflicht."
Dass diese Initiative auch 2009 einen Arbeitsschwerpunkt der Handelskammer bildet, verdeutlichte Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger: "Die im Positionspapier ‘Perspektive Bremen 2020′ gemachten Vorschläge werden im kommenden Jahr in Workshops und in Podiumsveranstaltungen mit der Politik, der Wissenschaft und wichtigen gesellschaftlichen Gruppen diskutiert", so Dr. Fonger: "Wir wollen mit Experten aus ganz Deutschland konkrete Entwicklungschancen für unsere Stadt entwerfen und diesen Prozess weiter voranbringen."
Dr. Johannes Bohnen, Politik- und Kommunikationsberater aus Berlin, der den Entstehungsprozess von "Perspektive Bremen 2020" begleitet hat und weiterhin eng eingebunden sein wird, betonte: "Dass eine Handelskammer einen solchen umfassenden gesellschaftlichen Entwicklungsprozess anstößt, ist bundesweit einmalig. Bremen hat hier eine riesige Chance, die Gestaltung seiner Zukunft im Sinne einer Bürgergesellschaft in die Hand zu nehmen."
Folgende fünf Schwerpunktfelder nennt das Positionspapier der Handelskammer:
Bildung, Wissen und Innovation:
Die bremische Wirtschaft fordert eine aktivierende Bildungspolitik. Das Land muss Strukturen schaffen, die lebenslanges Lernen für alle Menschen unterstützen und fördern. Um die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen, müssen die Möglichkeiten hierfür attraktiver gestaltet und neue Anreize geschaffen werden. Der Zugang aller Bevölkerungsschichten zu Bildung muss gewährleistet werden. In der Schulpolitik muss die Autonomie der Schulen gestärkt werden, Gymnasien müssen als bewährte und leistungsstarke Schulen erhalten bleiben. In der Hochschulbildung muss das wichtigste Prinzip ein durchlässiges Bildungssystems und die Anschlussfähigkeit von Bildungsabschlüssen sein. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse müssen noch intensiver in Technologietransfer umgesetzt werden.
Maritime Logistik und Industrie:
Für den Hafenstandort Bremen als Knotenpunkt des internationalen Warenverkehrs bietet die maritime Logistik ein weites Feld, um künftige logistische Anforderungen zu bewältigen, Kapazitätsengpässe zu beheben oder einen ressourcenschonenden und energieeffizienten Warenaustausch zu betreiben. Bremen kann sich einen Namen als Standort für umfassende Logistikdienstleistungen machen, indem es beispielsweise ein Logistikzentrum links der Weser entwickelt. Das bedingt aber eine offensive Gewerbeflächenpolitik und den Ausbau der Verkehrsinfrastrukturen. Bremen braucht den klaren wirtschaftspolitischen Willen zur Förderung von Industrieansiedlungen. Hierzu gehört, dass auch für die Industrie ausreichend Flächen am seeschifftiefen Wasser zur Verfügung stehen. Ebenso muss Bremen zu einem hervorragenden Wissenschaftsstandort fortentwickelt werden. Durch die Einrichtung einer "Sonderwirtschaftszone Bremen/Bremerhaven" könnten weitere Wachstumsanreize gesetzt und die regionale Wirtschaftsstruktur gefördert werden.
Energie- und Umweltwirtschaft:
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine starke Bremer Industrie ist eine effektive, wettbewerbsfähige und sichere Energieversorgung. Kompetenzen im Bereich der Windenergie müssen ausgebaut werden. Die Umweltwirtschaft kann durch eine enge Kooperation mit der Wissenschaft gestärkt werden. Für den Bereich der regenerativen Energien bietet insbesondere der Standort Bremerhaven mit seinen Leistungen bei der Energieeffizienz und der Windenergie eine hervorragende Perspektive. Bremens Politik muss sich aber auch dazu bekennen, emissionsreduzierte konventionelle Kraftwerksinvestitionen zu unterstützen.
Venture-Klima:
Bremen braucht als Land, das vom Transfer über die Köpfe lebt, ein Klima des Aufbruchs, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Wachstum zu ermöglichen. Die Betriebe benötigen mehr Freiräume durch den Abbau bürokratischer Belastungen und kürzere Genehmigungsverfahren. Bremen muss die kreativen Potenziale in seine wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungs- und Planungsprozesse einbinden. Stadt und Land müssen sich als aktive Bürgerstadt verstehen, in der Engagement und Eigenverantwortung als Entwicklungschance gesehen werden. Es muss Konsens in Politik und Gesellschaft sein, dass wirtschaftlicher Erfolg der Schlüssel zum Erhalt und zur Verbesserung der Lebensstandards ist.
Einzelhandel, Tourismus und Stadtentwicklung:
Tourismus, Einzelhandel und Stadtentwicklung werden bis zum Jahr 2020 insbesondere durch den demografischen Wandel spürbar beeinflusst. Im Wettbewerb mit anderen Standorten wird es daher ankommen, das Profil des Standorts zu stärken und Bremen als Zentrum für Wohnen, Leben und Arbeiten attraktiver zu machen. Im Tourismus muss Bremen ein Landestourismusprogramm vorlegen und langfristig einen entsprechenden Marketingetat festschreiben. Die Entwicklung der Innenstadt muss im Bereich des Einzelhandels in den nächsten Jahren im Fokus stehen. Die Handelskammer schlägt daher einen Masterplan "Bremens neue Mitte 2020" vor. Bremen muss es gelingen, attraktive Wohnformen insbesondere für einkommensstärkere ältere Bevölkerungsgruppen oder Kleinfamilien zu schaffen. Dazu wäre beispielsweise das Gebiet des Stadtwerders hervorragend geeignet.
Ansprechpartner:
Herr Dr. Stefan Offenhäuser
Telefon: +49 (421) 3637-245
Fax: +49 (421) 3637-226
Zuständigkeitsbereich: Public Relations
Frau Annekathrin Gut
Telefon: +49 (421) 3637248
No Comments on ""Perspektive Bremen 2020""