Vechta (ots) – Otto von Habsburg war eine Jahrhundertfigur, der letzte Habsburger Thronfolger und einer der ersten echten Europäer. Seine Gestalt ragte in gewisser Weise noch aus dem 19. Jahrhundert hinüber in das 21. Jahrhundert. Dass der Sohn des letzten Wiener Kaisers politisch und europäisch ambitioniert war, lag ihm in den Genen. Kein Herrscherhaus war – schon immer – so international ausgerichtet wie das der Habsburger. Von Nationalismus keine Spur. Die Habsburger (“Tu felix Austria, nube”) waren immer auf dem ganzen Kontinent machtpolitisch präsent. Und ihre “Kernlande”, Österreich-Ungarn, war immer ein vielstimmiges Völkergemisch. Diese Idee eines supranationalen Herrschaftsgebildes zerbrach in den erbarmungslosen Schlachten des Ersten Weltkrieges, der zu Recht so bezeichneten “Urkatastrophe des Jahrhunderts”.
Otto Habsburg, wie ihn die österreichische Republik nach dem Ersten Weltkrieg namentlich degradierte, besaß auch ohne herrschaftliche Machtfülle echten Mut. Ein Gespräch mit dem aus Österreich stammenden deutschen Usurpator Adolf H. lehnte der junge Habsburg 1933 rundweg ab. Auch den sogenannten “Anschluss” Österreichs ans Deutsche Reich bekämpfte er, vergebens.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Otto von Habsburg unverzagt an seinem Ideal eines friedlich miteinander verbundenen Europas festgehalten und weitergearbeitet. Das sah beizeiten, vor allem in den 50er und 60er Jahren, beinahe weltfremd aus. Aber er hatte die richtige Idee. Als er dann in das europäische Parlament einzog, war er zwar schon 66 Jahre alt, aber er hatte noch lange nicht genug. Die Entwicklung der europäischen Vereinigung nach dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs muss ihn mit großer Genugtuung erfüllt haben – bei allen Geburtsfehlern, die der EU bis heute und nicht zu wenig zu schaffen machen.
Als Otto von Habsburg im November 1912 zur Welt kam, war an ein geeintes, freies und friedliches Europa nicht im Traum zu denken. Stattdessen standen sich hochgerüstete Nationen unversöhnlich gegenüber. 1912 bis 2011: Ein langer Weg.
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