Vechta (ots) – Den Fall aus der Ferne zu beurteilen, ist unmöglich. Was wir über das Geschehen in der Suite 2806 im Hotel Sofitel in Manhattan aus offiziellen Quellen erfahren, stammt von der Staatsanwaltschaft und der Polizei sowie dem Anwalt des Angeklagten und jetzt auch von Dominique Strauss-Kahn selbst. Urteilen muss darüber ein Gericht. Und es geht nicht um Moral, sondern um die Frage: Liegt eine Straftat vor?
Wurden seine Neigungen ausgenutzt, ihn in eine Falle zu locken? Wenn Prominente betroffen sind, wird über die Affäre abseits rechtlicher Wertungen spekuliert und berichtet. Das liegt in der Natur der Sache. Zumal allerlei Verwunderliches über das verschwiegene private Leben von Personen zutage tritt, die nach außen Kompetenz wie Strauß-Kahn), den netten sauberen Schwiegersohn-Typ (wie Kachelmann und Schwarzenegger), oder Seriösität (wie Horst Seehofer und einst Willy Brandt) vermitteln. Die fachlichen Fähigkeiten mögen unbestritten sein. Doch immer häufiger wird uns klar: Wir sehen nur die sorgsam getünchte saubere Fassade, in der ja kein Kratzer sein darf. Andererseits würde die öffentliche Meinung die allerdings schon hinnehmen.
Ist der Kontrast zum privaten Leben allerdings zu krass, leidet die Glaubwürdigkeit und das Gesamtbild stimmt nicht mehr. Das erst führt zum Absturz. Die Öffentlichkeit duldet Brüche in der Biografie: Die Italiener wählten Berlusconi, der noch nie das Image eines rechtschaffenden Landesvaters hatte, die Franzosen gehen mit Sarkozy und seinem Temperament eher locker um.
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