Berlin (ots) – Anmoderation:
Am kommenden Montag feiern wir zum 22. Mal den Tag der Deutschen Einheit. Am 3. Oktober 1990 wurde aus zwei deutschen Staaten wieder einer – und das, nachdem Mauer und Stacheldraht fast 30 Jahre lang eine bittere Trennlinie gezogen hatten. Die deutsche Teilung, die friedliche Revolution in der DDR, der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung, das sind Meilensteine in der deutschen Geschichte. Wie nahe diese Themen uns Deutschen gehen, zeigt unter anderem der Erfolg eines ganz besonderen Musicals. “Hinterm Horizont” mit den Hits von Udo Lindenberg begeistert seit Januar 2011 das Publikum in Berlin. Schon über 300.000 Menschen haben sich die bewegende deutsch-deutsche Liebesgeschichte angeschaut. Johannes Mock-O’Hara, Geschäftsführer von Stage Entertainment:
1. O-Ton Johannes Mock-O’Hara
Wir sind von dem Erfolg überwältigt. Das haben wir uns noch nicht mal in den kühnsten Träumen ausgemalt. Dieses Musical wird viele, viele Jahre hier in Berlin spielen, und es wird hoffentlich auch noch an vielen anderen Orten gespielt werden. In den Köpfen der Menschen gibt es unheimlich viele Mauern, die da noch einzureißen sind. Und mehr Toleranz und Zivilcourage gegen Ungerechtigkeit zu üben, das ist eine große Aufgabe – und da bin ich froh, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können. (0:21)
Das Stage Theater am Potsdamer Platz in Berlin steht passender Weise genau dort, wo früher die Mauer die deutsche Hauptstadt teilte. Dass sie jemals endgültig fallen würde, war für Ralf Novak, der zwei Jahre zuvor aus der DDR geflohen war und heute im Musical den Stasi-Mann Krause spielt, damals völlig ausgeschlossen.
2. O-Ton Ralf Novak
Ich hatte die Bilder gesehen und dachte: “Wieder ein Schachzug von der SED. Die lassen den Druck aus dem Kessel, und in 14 Tagen ist die Mauer wieder dicht.” Daran habe ich fest geglaubt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Ostblock zusammenbricht. Das war für mich nicht vorstellbar. (0:19)
Inzwischen sind 22 Jahre vergangen. Die Trennung ist für viele noch nicht überwunden, die Aufarbeitung geht weiter. Muss sie auch, findet Thomas Brussig. Der Erfolgsautor, bekannt durch “Sonnenallee” und “Helden wie wir”, schrieb die Geschichte zu “Hinterm Horizont”. Dass einige Menschen weiterhin zwischen “Ossis” und “Wessis” unterscheiden, kann er nicht nachvollziehen.
3. O-Ton Thomas Brussig
Unter Ostlern und Westlern gibt es Arschlöcher und es gibt feine Kerle. Also warum soll ich dann die Einteilung nach Ostler und Westler vollziehen? (0:07)
Davon hält auch Udo Lindenberg nichts. Der Deutschrocker, den das Thema Ost-West nicht erst seit dem “Sonderzug nach Pankow” bewegt, plädiert für mehr Offenheit und Toleranz. Auch heute ist die Mauer in vielen Köpfen noch da, sagt er.
4. O-Ton Udo Lindenberg
Ja, ist sie immer noch. Die Leute sollten auch mal mehr rüberfahren nach Rügen zum Vergnügen oder nach Schmusedom und zum Feiern nach Bayern. Es gibt ja viele, die fahren nur nach Mallorca oder so. Aber viele waren echt noch nie in der damaligen DDR. Und wenn diese ganze Power, die da ist, auch die etwas anderen Mentalitäten, sich untereinander arrangieren und – anders als dieser Ellenbogen-Kampf aus dem Wilden Westen – diese ganze Power zusammenlegen, dann wird das immer mehr eine richtig geile “Bunte Republik Deutschland”, in der ich auch sehr gerne lebe. (0:29)
Udos Musical über das “Mädchen aus Ost-Berlin” ist teils fiktiv, teils biographisch. Die Songs waren vorhanden, Rahmenhandlung und Dialoge hat Thomas Brussig hinzugefügt – fertig war die persönliche East-West-Side-Story. Für den Autor ein ganz besonderes Projekt:
5. O-Ton Thomas Brussig
Es war schon eine große Ehre, als mich ein lebendes Denkmal angerufen und zu einer Zusammenarbeit eingeladen hat. Es ist auch für Udo wichtig, dass er jetzt mit diesem Musical sozusagen auch mal die Ernte einfährt, wo diese Leistung einfach mal gewürdigt wird, dass er sich eben zu einem Zeitpunkt um die deutsche Frage gekümmert hat, als die Politik sie eigentlich als erledigt betrachtet hatte. (0:22)
“Hinterm Horizont” ist ein außergewöhnliches Bühnenereignis: packend, bewegend und aufklärend zugleich. Ilona Schulz ist stolz, ein Teil dieser Show zu sein. Sie spielt Barbara Saftig, eine linientreue Kunstfunktionärin und alte Primaballerina. Ilona Schulz stammt aus dem Westen und findet, eine Versöhnung ist längst überfällig:
6. O-Ton Ilona Schulz
Es ist so langsam Zeit zu verzeihen. Man muss die einzelnen Geschichten angucken und da findet Verzeihen statt. Und unser Stück ist ein bisschen ein Teil davon. Wir sehen jeden Abend sehr gerührte Menschen in der ersten Reihe sitzen, manche haben Tränen in den Augen, manche nehmen sich in den Arm. Und ich habe das Gefühl, wir können ein bisschen stolz sein. Wir haben eine Wiedervereinigung hingekriegt und das ist ein kleines Fest jeden Abend. Ja, wir feiern jeden Abend eine kleine Wiedervereinigung. (0:31)
Abmoderation:
Wer mitfeiern will: “Hinterm Horizont” – das große Musical mit den Hits von Udo Lindenberg: täglich – außer dienstags – im Stage Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Restkarten für den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, sind noch erhältlich unter www.musicals.de.
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Pressekontakt:
Ansprechpartner:
Stage Theater am Potsdamer Platz, Andrea Schwabe, 030 25 929 146
all4radio, Mareike Helgert, Wolfgang Sigloch, 0711 3277759 0
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