Berlin (ots) -
Gestern Abend, 20 Uhr 30. Auf ZDF, ARD, RTL und SAT.1 läuft
dasselbe Programm: das TV Duell Merkel gegen Steinmeier. Die ganze
Woche schon hat dieses Fernsehereignis die Medien beherrscht. Da
wurde spekuliert, was die Kanzlerin für eine Jackettfarbe wählen
würden, Experten gaben Tipps, wie sich die beiden Kontrahenten am
besten vorbereiten sollten und es wurde spekuliert, wie viel Prozent
der Gewinner des Duells wohl gut machen würde.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer – gleichzeitig
der Vizekanzler – das hat die Menschen vor den TV-Schirmen
versammelt. Gemeinsam mit Bettina Schausten, Leiterin der
Hauptabteilung Innenpolitik im ZDF wollen wir das TV-Duell
analysieren:
Interview Bettina Schausten:
1. Frau Schausten. Experten hatten befürchtet, dass Merkel gegen
Steinmeier eine langweilige Sendung wird. Wie haben Sie das TV-Duell
gesehen? (0’30)
Für mich war es durchaus kein langweiliges Duell, sondern es hat
gezeigt, wo die politischen Unterschiede liegen. Bei den Themen
Mindestlohn, Atompolitik, auch Steuerpolitik, da war das ja auch sehr
deutlich, auch bei der Gesundheitspolitik. Sicherlich war das eher
etwas für die politischen Feinschmecker, die auch auf Nebensätze
horchen. Wir haben das auch bei den Umfragen gesehen. Die Mehrheit
sagt, wir sehen eigentlich keinen Unterschied zwischen den Beiden.
2. Kanzlerin gegen ihren Stellvertreter. Ist das nicht wie bei
einem alten Ehepaar, das sich zwar kabbelt, aber nicht wirklich
streitet? (0’20)
Also, die Maybrit Illner hat ja den wunderschönen Satz geprägt, das
ist ja wie “Ehen vor Gericht”. Und natürlich war es durchaus ein
bisschen so. Aber ich finde, beide sind mit der besonderen Situation,
Kanzlerin gegen Vizekanzler, sehr gut ausgekommen. Aber beide haben
natürlich nicht die Keulen ausgepackt. Das hätte doch eher
verwundert.
3. Wie sehen denn die Umfragen unter den ZDF-Zuschauern aus?
(0’44)
Was wir bisher aus den Umfragen wissen ist, dass Walter Steinmeier
doch offenkundig mehr punkten konnte als Angela Merkel. Was natürlich
auch daran liegt, dass an ihn die geringsten Erwartungen gerichtet
waren. Da hat er manche überraschen können. Es wird jetzt darauf
ankommen, ob er die Unentschlossenen, die die unsicher sind,
insbesondere auch die unentschlossenen SPD-Wähler mobilisieren kann.
Und wir haben den Plan der SPD gehört, die wollen jetzt natürlich das
Duell nutzen um in der heißen Phase zuzuspitzen und richtig Dampf zu
machen. Wir werden am 27. sehen, ob es gelingt.
4. Sie kennen sich mit Wahlprognosen aus, schließlich präsentieren
Sie regelmäßig das ZDF-Politbarometer. Wie wird das Politbarometer
nächsten Freitag aussehen? (0’20)
Freitag das Politbarometer – übrigens das letzte vor der
Bundestagswahl – und ich könnte mir schon vorstellen, dass es in der
aktuellen Stimmung in der Nachbereitung dieser Woche etwas rauf geht
mit der SPD. Aber häufig sind diese Trends flüchtig. Und man wird
dann schauen, was über die Zeit trägt bis zum 27. September.
5. Was halten Sie von solchen TV-Duellen in denen Kanzlerin gegen
den Stellvertreter antritt? (0’28)
Es ist in der Tat kritisch zu hinterfragen, wenn man nun zwei
Kandidaten hat, die aus einer Regierung kommen. Da kann man durchaus
kritische Anmerkungen der Opposition verstehen. Nichts desto trotz,
es ist nicht die einzige Sendung im Wahlkampf, es gibt auch Formate,
in denen alle Parteien miteinander diskutieren können, auch wir im
ZDF machen die und bieten sie auch an. Von daher ist es ein
lohnenswertes, interessantes Format der Wahlkampfberichterstattung.
Und von daher auch nicht mehr weg zu denken.
Abmoderation:
Gestern Abend: das große TV-Duell zur Bundestagswahl Merkel gegen
Steinmeier. Eine Analyse von Bettina Schausten, Leiterin der
Hauptredaktion Innenpolitik im ZDF.
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