Rostock (ots) – Es ist längst ein ziemlich blutleeres Ritual, was
der Aufbau-Ost-Minister Wolfgang Tiefensee gestern vorzuführen hatte.
Die Veranstaltung heißt Jahresbericht zum Stand der Deutschen
Einheit. Ehrlicher müsste sie heißen: Beschreibung der Hoffnung, dass
der Osten nicht abkippt.
Doch der kritische ungeschminkte Blick, auf das, was im Osten noch zu
tun und was schief gelaufen ist, wird von einer wahlkampf-geschönten
Betrachtung verhindert.
Die Schere zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands schließt
sich, jubelte Tiefensee gestern. Dass im Osten zurzeit industrielle
Leuchttürme, wie Werften an der Küste oder Mikroelektronik in
Sachsen, umzukippen drohen, spielte in der Schönwetter-Bilanz des
SPD-Politikers keine Rolle. Das Thema Aufbau Ost ist zu einer
Pflichtübung verkommen. Auch das Jubiläumsjahr 20 Jahre nach dem
Mauerfall kann die Augen-zu-und-durch-Politik der großen Berliner
Koalition nicht überdecken.
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