Berlin (ots) – Afghanistan ist jetzt auch der weltgrößte
Cannabis-Produzent. Beim Mohn, Grundstoff für Opium und Heroin, lag
man ohnehin schon einsam an der Spitze. Was aber nicht zwangsläufig
heißen muss, dass sich der Präsident des Landes im Drogenrausch
befindet. Das jedoch suggerieren westliche Diplomaten gerade, nachdem
Hamid Karsai mit in ihren Augen bizarren Reden für Schlagzeilen
gesorgt hat: Hinter den massiven Manipulationen bei der Wahl im
Vorjahr steckten Ausländer, sie würden auch Regierung und Parlament
in Kabul unter Druck setzen, eine geplante Offensive der NATO in
Kandahar müsse von der Zustimmung der dortigen Stammesältesten
abhängig gemacht werden, und er selbst könne schnell ebenfalls
Aufständischer werden.
Einmal abgesehen davon, dass nicht alles davon Unsinn ist – warum
geht der Präsident dermaßen auf verbalen Konfrontationskurs? »Tit for
tat« sagt man in den USA, wie Du mir, so ich Dir. Also nur eine
Retourkutsche für die wachsende Kritik aus dem Westen, Karsai tue zu
wenig gegen die Korruption und den illegalen Handel mit Rohopium oder
den desolaten Zustand der afghanischen Sicherheitskräfte? Nein,
hinter den Attacken steckt nicht nur gekränkte Eitelkeit. Karsai
denkt längst an die Zeit nach dem Abzug der NATO-Truppen. Er will das
Image als Marionette von Washingtons Gnaden los werden und sein
politisches Überleben wie die Pfründe seines Clans sichern. Was immer
er konsumieren mag, hier spricht aus ihm kühles Kalkül.
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