Neues Deutschland: Wahl des Bundespräsidenten



Berlin (ots) – Das Votum von drei Dutzend Bundesversammelten aus Union und FDP gegen den eigenen Kandidaten im ersten Wahlgang hatte allenfalls vordergründig damit zu tun, dass der eine oder andere Gauck vielleicht tatsächlich für einen besseren Präsidenten hielt. Die aufmüpfigen Stimmzettel waren nicht zu seinen Ehren adressiert, es waren gelbe Karten für Merkel und Westerwelle. Nach allem Zoff in der angeblich so gewollten schwarz-gelben Koalition und nach dem Unions-Desaster bei der NRW-Wahl war dies der Tag der Abrechnung. Nicht der Umfang der Dissidenz, aber ihre Grundtendenz war vorhersehbar. Sie hätte sich auch gezeigt, wenn der Gegenkandidat nicht Gauck geheißen hätte.

Insofern sind die Vorwürfe von SPD und Grünen an die LINKE, an ihr sei ein Sieg über die Koalition gescheitert, recht faul. Wenn es so sehr ihr Anliegen war, eine rot-grün-rote Mehrheit zu erreichen, warum haben sie dann nicht vor Präsentation ihres Kandidaten das Gespräch mit der LINKEN gesucht? Warum haben sie im Alleingang einen Kandidaten erkoren, der manchen Konservativen aus dem Herzen sprach (Ja zum Afghanistan-Krieg, Geringschätzung sozialer Gerechtigkeit, Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze sei »zementiertes Unrecht«), für die LINKE aber nur Verachtung übrig hat?

Am Ende sah es so aus: Wulff wurde nicht dank der LINKEN Bundespräsident, sondern dank eines nur auf den eigenen kleinen Vorteil erpichten Vorgehens von SPD und Grünen.

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