Bielefeld (ots) – Wenn es um die Behandlung von psychisch kranken
Straftätern geht, dann haben die Bürger an den Stammtischen ihre
Rezepte längst gefunden. Sie lauten: Wegsperren für immer oder
schlimmer.
Die Leiterin der Maßregelvollzugsklinik in Lippstadt-Eickelborn,
Nahlah Saimeh, steht hingegen gewiss nicht unter dem Verdacht, platte
Parolen zu klopfen. Ihre Forderung nach Zwangsmedikation von
psychisch kranken Strafttätern ist durchdacht und sie betrifft auch
nur eine bestimmte Klientel.
Saimeh will schizophrene Patienten, die ihr Kranksein nicht erkennen
können und Therapie verweigern, letztlich mit Gewalt zu ihrem Glück
zwingen. Moderne Medikamente machen es heute möglich, die chemische
Seite der Psyche und die deformierte Wahrnehmung zu reparieren. Ist
es da nicht ein Akt der Menschlichkeit, den Schizophrenen die Pillen
einzuflößen und ihnen dadurch am Ende sogar wieder ein Leben in
Freiheit zu ermöglichen?
Mag sein. Aber auf der anderen Seite steht ein Risiko. Wer
Zwangsbehandlungen das Wort redet, der öffnet leicht das Tor zur
Unmenschlichkeit. Das ist nicht die Absicht von Nahlah Saimeh. Aber
es gilt, in dieser Frage sehr sorgsam abzuwägen. Damit von der
intendierten Hilfe am Ende nicht die Willkür und das Experiment am
Menschen übrig bleibt.
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Neue Westfälische
Jörg Rinne
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