Bielefeld (ots) – Die Leipziger Buchmesse verzeichnet einen
Besucherrekord. Tausende drängen sich in den Hallen. Sie feiern die
Literatur, sie lesen, betrachten Bildbände, träumen, verschaffen
ihren Phantasien Flügel und lernen. Wunderbar.
Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Lesen für viele
Menschen harte Arbeit ist, der sie sich, wo immer es geht, entziehen.
Mühsam entziffern sie Kurztexte. Es ist dann die Kunst der Autoren,
ihnen das Lesen leichter zu machen. Tägliche Aufgabe von uns
Journalisten übrigens.
Der Begriff “lustvoll” kommt vielen Menschen nicht in den Kopf, wenn
es ums Lesen geht. Oft sind sie schon in der Kindheit nicht richtig
in der technischen Fertigkeit des Lesens unterwiesen worden. Heute
haben viele Kinder – unvorstellbar – gar keinen Zugang zum gedruckten
Wort. Morgens liegt keine Zeitung auf dem Tisch, ein Buch (schneller
aufgeschlagen als jeder Computer hochgefahren) ist nie in Reichweite.
Deshalb machen Zeitungen wie diese Schulprojekte, in denen sie
Schülerinnen und Schülern projektweise frühzeitig Zugang zu Lektüre
ermöglichen. Ein Angebot, verbunden mit Hoffnung.
Denn es ist eine Lust, wenn die Augen flink über die Worte gleiten,
von Zeile zu Zeile hüpfen, von der Neugier auf das Kommende
getrieben, wenn das Hirn die Worte leicht zu Sätzen mit Sinn
verbindet, zu Geschichten, die von Freude, Liebe, Erotik, Leid und
Erleben handeln. Das menschliche Leben zwischen Buchdeckeln. Auf
jeder Seite wartet eine neue Überraschung, die Phantasie nimmt die
Texte auseinander und setzt sie immer wieder neu zusammen. Bis im
besten Falle Gedanken und Empfinden mit dem Text im Kopf des Lesers
verschmelzen und zu Erkenntnis destilliert werden. Das kann auch für
den geübten Leser Arbeit und Zeitaufwand bedeuten.
Wie anders ist das schnelle Reinhacken eines Suchbegriffs in die
Suchmaschine des Internets. Hunderttausende von Fundstellen
überfordern den Nutzer, und das gezielte Anklicken nur der gesuchten
Information lässt ihn geistig verarmen. Für den Alltag sicher
nützlich, um sich schnell eine Information zu beschaffen, aber nicht
erbaulich, weil auf einen Punkt gezwungen, nicht ausschweifend. Wer
nur nach diesen kurzen Informationshappen schnappt, wird auf Dauer
das Lesen wieder verlernen. Das verhindern auch nicht die neuen
iPads, elektronische Lesegeräte, auf die sich der Nutzer ganze Bücher
herunterladen kann.
Dennoch ist es gut, dass es diese neuen Vertriebswege für Zeitungen
und Bücher gibt. Nach der Zahl der Vorbestellungen zu urteilen, wird
das Gerät zum Verkaufsschlager. So wie sich die Gesellschaft mit der
Erfindung der Kunst des Buchdrucks plötzlich rasant entwickelt hat,
werden die neuen Technologien zu noch mehr Geschwindigkeit beitragen.
Doch in diesem Strom der Schnelligkeit werden Bücher immer Inseln der
Bildung, des Verweilens, des tieferen Lernens und Erfahrens bleiben.
Das macht Lust.
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Neue Westfälische
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