Bielefeld (ots) – Dieser Konflikt könnte zu einem Politikum erster
Ordnung werden. Ausgerechnet die Bundeszentrale für politische
Bildung (BPB) verabschiedet sich nach eigenem Bekunden “aus
formaljuristischen Gründen” von der Förderung von Studienreisen ins
ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Das verstehe, wer will. Mag
sein, dass das Haupthandlungsfeld der BPB im Inland liegt, doch die
Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus hört mit
Sicherheit nicht an den deutschen Grenzen auf.
Das hat die BPB ja auch erkannt und veranstaltet nach eigener Aussage
seit 1963 auch selbst Studienreisen nach Israel. Ziel: “die
historisch-politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
und der deutsch-jüdischen Geschichte”. 6.000 Menschen haben seither
dieses Angebot wahrgenommen. Auch Studienfahrten nach Russland,
Georgien oder Ost- und Mitteleuropa stehen auf dem
Veranstaltungskalender der BPB. Hier gibt es also zu Recht keine
Berührungsängste mit politischen Themen die sich jenseits der
deutschen Grenzen stellen, wohl aber auch für Deutschland
weitreichende Bedeutung haben. Zwar geht es hier um die Förderung von
Bildungsangeboten fremder Träger. Doch wenn diese offiziell anerkannt
sind, sollte es doch wohl keinen ernsthaften Grund geben,
ausgerechnet für Studienreisen nach Auschwitz keine Zuschüsse mehr
bereitzustellen, formaljuristische Gründe hin oder her.
Es muss also eine möglichst rasche Lösung her, damit durch den
Konflikt in den sensiblen deutsch-polnischen Beziehungen nicht
unnötig Porzellan zerschlagen wird. Der aktuelle Streit ist ebenso
unsensibel wie unnötig. Die BPB sollte ihn beenden und sich auf ihre
Arbeit konzentrieren: “Verständnis für politische Sachverhalte zu
fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die
Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken.”
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