Bielefeld (ots) – Der Hirtenbrief des Papstes ist beides, deutlich
und enttäuschend zugleich. Er enthält klare Weisungen, etwa die an
alle Täter, sich der Rechtsprechung zu unterwerfen. Aber er erfüllt
nicht die Erwartungen von vielen deutschen Gläubigen, die ein
Eingehen des (deutschen) Kirchenoberhauptes auf Vorgänge in der
deutschen katholischen Kirche erhofft hatten. Dennoch gilt gleichwohl
alles vom Oberhirten Benedikt auf Irland Gemünzte auch für seine
Schäflein hierzulande.
Wenig zu deuteln hingegen gibt es an den Einlassungen des
Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller. Für diesen
Kirchenfürsten ist die Sache klar: In den Medien sitzen Leute, die
nichts Besseres zu tun haben, als die Regensburger Domspatzen, bei
denen es zahlreiche Missbrauchsfälle gegeben haben soll, in den Dreck
zu ziehen.
Mal abgesehen davon, dass Müller Ursache und Wirkung verwechselt:
Fehlt nur noch, dass er den Herrseibeiuns bemüht, der wahrscheinlich
in die journalistische Zunft gefahren ist. Ganz tief aus der Kiste
mit dem Hakenkreuz holt der Bischof immerhin schon mal die NS-Keule -
nach dem Motto: Wer Missbrauch anprangert, verhält sich wie ein
kirchenfeindlicher Nazi. Das ist erstens hanebüchen und zweitens
historisch auch höchstens die halbe Wahrheit.
Dieser Kirchenmann ist offensichtlich auf mindestens einem Auge
blind.
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