Bielefeld (ots) – Zum zweiten Mal in der Amtszeit von
NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) ist es in
einer Haftanstalt des Landes zu einer grauenhaften Bluttat gekommen.
2006 wurde in Siegburg ein 17-jähriger Häftling von Mitgefangenen
gefoltert und ermordet. Am Sonntag erstach ein zu lebenslanger Haft
verurteilter Kindsmörder seine Freundin im Besucherzimmer des
Gefängnisses in Remscheid.
Die verantwortlichen Stellen im Strafvollzug bemühen die üblichen
Erklärungsmuster. Der Mann sei seit Jahren unauffällig, die Beziehung
zu der jetzt umgebrachten Frau sei stabil, eine solche Tat nicht
vorhersehbar gewesen. Trotzdem ist es für den normalen
Menschenverstand unvorstellbar, dass ein Straftäter, der zu
lebenslanger Haft bei besonderer Schwere der Schuld verurteilt wurde,
unbewacht und völlig unkontrolliert ein Rendezvous haben konnte, mit
zwei Messern und einem Radmutterschlüssel bewaffnet, Werkzeuge, die
nicht zur Ausstattung einer Gefängniszelle zählen.
Die Ministerin muss sich fragen lassen, ob sie die Mängel im
Strafvollzug in NRW nicht konsequent schönredet. Gewiss, sie kann
sich nicht über die Abläufe in jedem Gefängnis im Detail kümmern.
Aber die Fülle erschütternder Zwischenfälle weckt Zweifel daran, ob
sie die Lage wirklich im Griff hat.
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