Bielefeld (ots) – Wer ältere oder pflegebedürftige Menschen kennt,
der hat sie schon gesehen, die kleinen Plastikdöschen. Darin werden
die Pillen für den Tag oder gar für die Woche fein säuberlich
sortiert, damit die richtigen Medikamente auch zur rechten Zeit
genommen werden.
Vieles ist aus Sicht der Patienten sicher notwendig, anderes aber –
und das belegt eindrucksvoll eine aktuelle Studie der Universität
Witten-Herdecke – dient offenbar eher der Lösung von Personal- und
Pflegeproblemen in den Heimen.
Es ist ein Skandal, dass drei Viertel aller Patienten in den
untersuchten Pflegeheimen mit Psychopharmaka ruhiggestellt werden.
Wenn jeder zehnte Patient sogar bis zu drei verschiedene Medikamente
bekommt, die seine geistige wie körperliche Beweglichkeit erheblich
einschränken, ihn womöglich in einen nur zynisch als pflegeleicht zu
bezeichnenden Dämmerzustand versetzen, so ist diese allem Anschein
nach gängige Praxis menschenverachtend zu nennen.
Zwar wurden in dieser Studie “nur” 160 Bewohner in 14 Heimen des
Ruhrgebiets untersucht. Dennoch kann man Angehörigen von
Pflegebedürftigen in Heimen nur dringend raten, die gängige Praxis
dort zu prüfen und im Zweifelsfall mit der Heimleitung und dem
behandelnden Arzt zu sprechen.
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