Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Schlecker baut tausende Stellen ab Wankender Riese MATTHIAS BUNGEROTH



Bielefeld (ots) – Mit diesem Paukenschlag hatten selbst Insider der Szene nicht gerechnet. 11.750 Beschäftigte der Drogeriemarktkette Schlecker werden ihre Arbeitsplätze verlieren, 2.400 Filialen stehen vor dem Aus. Schlecker-Finanzchef Sami Sagur nahm angesichts dieser Perspektive den aus der Atomtechnik bekannten Ausdruck “GAU” (größter anzunehmender Unfall) in den Mund. Ein GAU ist dies vor allem für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie leben in naher Zukunft auch mit der Ungewissheit, dass nicht der Fortbestand einer bestimmten Filiale über die Weiterbeschäftigung des einzelnen Beschäftigten entscheidet, sondern einzig und allein ein mit den Gewerkschaften zu entwickelnder Sozialplan. Soziale Aspekte in diese Entscheidungen mit einzubeziehen, so weit es möglich ist, ist sicher vernünftig. Doch der Sozialplan muss nun so verantwortungsvoll und zügig wie möglich unter Beteiligung aller betroffenen Betriebsräte mit der Unternehmensführung aufgestellt werden. Die Schlecker-Mitarbeiter haben ein Recht darauf, so rasch wie möglich informiert zu werden, damit sie sich gegebenenfalls baldmöglichst auf dem Arbeitsmarkt nach anderen Optionen umsehen können. Wie aus Insiderkreisen zu hören ist, sind gerade langjährige Schlecker-Beschäftigte mit ihren Verdiensten im Unternehmen nach sieben Jahren Zugehörigkeit durchaus zufrieden. Hoffentlich fallen nicht in erster Linie sie dem Rotstift zum Opfer. Ansonsten ist dies auch ein schwarzer Tag für den Unternehmer Anton Schlecker. Dieser habe viele Fehler gemacht und sein Unternehmenskonzept zu spät modernisiert, so der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Gleiwitz. Durch einen Unfall – den eingangs besagten GAU – ist diese Situation also nicht entstanden. Eher ging es sehenden Auges in die Katastrophe. Ein wankender Riese funkt SOS.

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