Osnabrück (ots) – Zankende Zyprioten
Hohe Mauern, Stacheldraht, patrouillierende UNO-Soldaten an der
Grenze und ein brachliegender Flughafen in der geteilten Hauptstadt:
Wir befinden uns nicht in irgendeinem afrikanischen Krisengebiet,
sondern in einem EU-Mitgliedsland. Für Touristen ist Zypern ein
Sonnenschein-Paradies. Für die Einwohner beider Volksgruppen ist es
nach wie vor der Austragungsort eines hitzigen Konfliktes um Macht
und Besitz.
Engstirnige zankende Zyprioten? Ein verkürztes Fazit. Denn das
Ausland trägt gehörig Mitschuld an der jetzigen Situation. Als
Kolonialmacht gerne spielten die Briten bis 1960 die Interessen der
Volksgruppen gegeneinander aus, um die eigene Stellung zu sichern.
Dann nutzten die expansionsbestrebten Militärjuntas aus Griechenland
und der Türkei die Insel als Bühne zur Austragung ihrer
Erbfeindschaft. Resultat: Übergriffe, Tote und die Teilung, die keine
Probleme löste, aber neue schuf. Die wirtschaftliche Stagnation und
die ungelöste Eigentumsfrage auf beiden Seiten nach den
Vertreibungen.
Deshalb haben die Zyprioten einen langen Weg vor sich. Sie müssen
ihre Vorbehalte ablegen und sich an einen Tisch setzen. Nur gemeinsam
können sie eine ausgewogene Lösung für die Probleme und für die Frage
der künftigen Staatsform finden. Die Chance, endlich aus der
Fremdbestimmung zu entkommen, ist jetzt da: Der EU-Beitrittswunsch
zwingt die Türkei zu Zugeständnissen. Und die Griechen haben nach dem
Beinahe-Kollaps ihrer Staatsfinanzen an Stärke eingebüßt.
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