Neue OZ: Kommentar zu Verbrechen / Aids / Benaissa / Urteil



Osnabrück (ots) – Sie dürfen kein Mitleid erwarten

Es ist nur scheinbar ein mildes Urteil: Nadja Benaissa hatte ungeschützten Sex mit einem Mann und hat ihn infiziert – obwohl sie von ihrer Krankheit wusste. Eine Ansteckung mit dem HI-Virus ist noch immer unheilbar. Das Opfer wird den Rest seines Lebens unter den Folgen leiden. Angesichts dessen erscheint es fast ungerecht, dass der vermeintlichen Täterin das Gefängnis erspart bleibt. Allerdings lohnt ein genauerer Blick auf den Fall: Was ist eigentlich passiert? Ein Künstlerbetreuer der “No Angels” hatte Sex mit einer der Sängerinnen. Ohne Kondom. Einfach nur so. Einfach zum Spaß.

Das ist völlig in Ordnung, wenn beide Partner erwachsen und einverstanden sind. Denn dann sind sie auch alt genug, um die Gefahren einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten wie Aids zu kennen. Dass nicht nur die 28-Jährige, sondern auch ihr Opfer sehr leichtfertig mit diesen Risiken umgegangen ist, haben die wenigen Prozesstage gezeigt. Unterm Strich bleibt eine traurige Geschichte zweier Menschen, die die Gefahren des Lebens allzu leichtfertig herausgefordert haben. Mitleid dürfen aber beide nicht erwarten. Schon gar nicht ein Künstlerbetreuer, der eigentlich für das Wohl seiner Schützlinge sorgen sollte und die Situation offensichtlich auszunutzen versuchte. Es bleibt die Einsicht: Wer bewusst mit Fremden Sex ohne Kondom hat, ist in erster Linie kein Fall für den Richter, sondern selbst schuld.

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Neue Osnabrücker Zeitung
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