Neue OZ: Kommentar zu USA / Irak / Konflikte



Osnabrück (ots) – Zu frühe Siegesrede

Ist der Irakkrieg vorbei? US-Präsident Obamas vermeintliche Siegesrede kommt zu früh. Angesichts schlechter Umfragewerte, hoher Arbeitslosenzahlen und neuer Rezessionsängste in den USA will er mit außenpolitischen Erfolgen punkten. Doch der Irak ist für einen vollständigen Truppenabzug noch nicht reif – zu instabil und risikoreich ist die Lage in dem Krisenherd, der von einem dauerhaften Frieden zu weit entfernt ist.

Obama hat die Beendigung des Irakkrieges zwar versprochen. Dieses Wahlversprechen löst er jetzt formell ein, doch Guerilla-Kriege lassen sich nicht per TV-Ansprache stoppen. Eine Aufstandsbekämpfung ist ein langwieriger Prozess. Der US-Präsident trägt eine große Mitverantwortung für das Schicksal des Zweistromlandes. So darf das zwischen Kurden, Schiiten und Sunniten zersplitterte Land nicht in einen Bürgerkrieg stürzen. Islamistische Terroristen müssen zudem weiterhin effektiv bekämpft werden.

Ist die politische und militärische Klasse des Irak aber bereits fähig, die alleinige Verantwortung zu übernehmen? Zweifel sind erlaubt. Schließlich wartet die frustrierte Bevölkerung seit Monaten darauf, dass sich die zerstrittenen Parteien auf eine Regierung einigen. Es gibt sicherlich auch viele Fortschritte – etwa bei der Schaffung von Arbeitsplätzen in der wieder aufkeimenden Ölindustrie oder bei der Ausbildung des Militärs. Doch selbst in Bagdad ist die Stromversorgung mangelhaft. Obama dürfte wissen, dass es für die USA im Irak noch viel zu tun gibt.

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Neue Osnabrücker Zeitung
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