Neue OZ: Kommentar zu Unternehmen / ThyssenKrupp



Osnabrück (ots) – Ein Stück weniger Industrie

Es gibt Qualitätsprodukte der deutschen Industrie, an die man sich wehmütig erinnert, auch wenn sie lange aus dem Alltag verschwunden sind. Der VW Käfer ist so ein Beispiel. Aber auch das Fahrrad aus Nirosta-Stahl von Krupp, dessen Dieb, obwohl man es ihm nicht gönnt, noch lange Freude daran gehabt haben könnte.

Dem Hersteller dagegen hat der nicht rostende Stahl zuletzt nur noch Sorgen bereitet. Bei der Erstellung seiner jüngsten Jahresbilanz musste ThyssenKrupp noch einmal 800 Millionen Euro auf die Problemsparte Edelstahl abschreiben. Umso erstaunlicher ist, wie schnell der Essener Konzern einen Käufer für diesen Verlustbringer gefunden hat.

Eine Milliarde Euro fließen durch die Einigung mit dem Rivalen Outokumpu in die Kasse von ThyssenKrupp, darüber hinaus werden die Finnen fast 700 Millionen Euro Schulden tilgen. Das sind gute Nachrichten für die durch Hiobsbotschaften vom Stahlwerksbau in Brasilien arg gebeutelten ThyssenKrupp-Aktionäre.

Auch wenn er ein Rohstahl-Riese bleibt, will sich ihr Konzern vom Stahlgeschäft unabhängiger machen, damit aber auch von seiner Tradition als Industrie-Schwergewicht. Sorgen der Belegschaft sind daher berechtigt, gerade am Niederrhein, wo ein Stahlwerk vor dem Aus steht und man nach dem Erwerb durch Finnen eine Handyfabrik zugrunde gehen sah. Krupps Nirosta-Velos sieht man dagegen noch auf Radwegen am Rhein, manchmal sogar in bestem Zustand.

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