Neue OZ: Kommentar zu Unruhen im Nahen und Mittleren Osten



Osnabrück (ots) – Letzte Chance für Diplomatie

Kriege, Diktaturen, Revolutionen: Kaum eine Weltregion birgt so viele Konflikte wie der Nahe und Mittlere Osten – mit wenig Hoffnung auf Besserung.

Die Gewalt in Kairo nach dem Massaker im Fußballstadion von Port Said steht symbolhaft für die Instabilität vieler dortiger Staaten. Dieses Chaos hat jedoch nicht der arabische Frühling verschuldet. Es ist die Folge jahrzehntelanger politischer und wirtschaftlicher Fehlentwicklungen. Dieses Erbe droht nun die neue Freiheit im Keim zu ersticken.

In Ägypten und Libyen wurden im Unterschied zu Syrien – wo Kämpfe toben – Diktatoren gestürzt. Das ist erfreulich, aber keine Garantie für Frieden. Säkulare Reformer, Militäreliten, Stämme und starke religiöse Parteien mit teils extremistischen Zügen müssen erst beweisen, dass sie es mit der Demokratie ernst meinen. Dass sie dies tun, ist nicht auszuschließen. Selbst Islamisten können lernen – siehe Türkei. Doch ein Scheitern erscheint derzeit wahrscheinlicher.

Zusätzlich bergen die alte Palästinenser-Frage und das iranische Atomprogramm Sprengstoff. Letzteres bedroht gar den Weltfrieden. Israel, das zu Recht um seine Existenz fürchtet, erwägt Präventivschläge. Diese Gefahr mahnt die internationale Diplomatie zu größter Eile. Bauen die Iraner Atomwaffen, werden Ägypter und Saudis nachrüsten. Europa sollte nicht meinen, ein Raketenschild biete vor so einer unkalkulierbaren Bedrohung hundertprozentigen Schutz.

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