Neue OZ: Kommentar zu Religion / Beschneidung / Bundestag



Osnabrück (ots) – Wohltuende Reaktion

Der Bundestag hat gestern in einer Entschließung betont, dass er die religiöse Beschneidung von Jungen für zulässig hält. Diese Erklärung dürfte zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Nach der umstrittenen Einzelfallentscheidung des Kölner Landgerichts hagelte es Proteste. Auf das Urteil haben nun Union, SPD und FDP mit einigen Abgeordneten anderer Fraktionen wohltuend rasch reagiert. Sie senden mit der Grundsatz-Erklärung ein wichtiges Signal an Juden und Muslime. Denn eindeutig machen sie klar, dass sie die jahrtausendealten Traditionen dieser religiösen Minderheiten in Deutschland respektieren und nicht für strafbare Körperverletzung halten.

Das ist eine wichtige Nachricht für betroffene Eltern, beteiligte Ärzte und Beobachter im Ausland. Wäre dieses Signal nicht gekommen, wäre die Distanz vieler Zuwanderer zum Staat gewachsen und auch das Misstrauen gegen ihn. Abgesehen davon gibt es pragmatische Gründe für die Politik, bereits im Herbst gesetzliche Klarstellungen zur religiösen Beschneidung vorzulegen. Der Vorschlag, mit dem kleinen Eingriff bis zum 14. Geburtstag eines Jungen zu warten, ist weltfremd. Allerhöchstens eine verschwindende Minderheit der jüdischen und muslimischen Eltern wäre dieser Anregung gefolgt, die meisten wären dagegen in Hinterzimmer oder ins Ausland ausgewichen. Eine legale medizinisch fachgerechte Operation ohne unnötige Schmerzen ist die bessere Alternative.

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Neue Osnabrücker Zeitung
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