Neue OZ: Kommentar zu Prozesse / Terrorismus / Flughafen



Osnabrück (ots) – Der Internet-Terrorist

Das Urteil lässt keine Zweifel mehr zu. Arid U. war kein junger Mann, der Amok gelaufen ist, sondern ein Terrorist, der gezielt getötet hat. Seine Tat ist der erste vollendete islamistisch motivierte Anschlag auf deutschem Boden. Als wäre das nicht schon erschreckend genug, weist der Fall noch eine weitere Besonderheit auf. Arid U. benötigte keine persönlichen Kontakte, um sich zu radikalisieren. Er verkehrte nicht im Kreis von Gesinnungsgenossen. Ihm reichten Hetzpredigten, Propaganda und islamistische Songs aus dem Internet, um zum hasserfüllten Soldatenmörder zu werden. Selten sind die Gefahren, die von solchen Web-Seiten ausgehen, so hart zutage getreten wie in diesem Fall. “Mutter, bleibe standhaft, dein Sohn ist im Dschihad.” Auch dieses Lied hatte Arid U. aus dem Internet, eine perfide sentimentale Lobhudelei auf Selbstjustiz und Mord. Nicht jeder, der so etwas hört, wird gleich zum Attentäter. Dennoch ist erhöhte Vorsicht geboten, wenn sich potenzielle Gewalttäter durch Dschihad-Songs aufwiegeln lassen.

Im Übrigen gehört islamistischer Terrorismus leider schon länger zu Deutschland. Erinnert sei etwa an den in Düsseldorf verurteilten sogenannten Kofferbomber und die ebenfalls in Düsseldorf vor Gericht gestellten Mitglieder der Sauerland-Gruppe. Während ihre Pläne aber fehlschlugen oder vereitelt wurden, hat Arid U. eiskalt abgedrückt. Er steht damit für eine neue Dimension des Schreckens.

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Neue Osnabrücker Zeitung
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