Neue OZ: Kommentar zu Niederlande / Kunst



Osnabrück (ots) – Die schaurig-schöne Legende bröckelt

Genies sind leicht reizbar, oft von Wahnsinn gezeichnet. Die außergewöhnliche Leistung gibt es scheinbar nur um den Preis der Abnormität. Vincent van Gogh hat wie kein zweiter Künstler dieses Bild vom getriebenen, vom kranken Genie geprägt. Jetzt bröckelt das Bild vom irren Maler. Selbstmord oder Unfall? Mit der Antwort auf diese Frage steht und fällt eine schaurig-schöne Legende. Zum Glück bleibt der Wert von van Goghs Bildern davon völlig unberührt.

Denn die Kunst ist immer mehr als der Anlass ihrer Entstehung. Auf van Goghs Bildern kommt die vertraute Welt ins Rutschen, aber nicht nur als Beleg für den Gesundheitszustand ihres Urhebers, sondern vor allem als Symbol für eine Epochenerfahrung. Kaum ein anderer Künstler hat so wie van Gogh gezeigt, dass das Leben im gleichen Augenblick Glück und Katastrophe sein kann. Lange nach dem Tod des unglücklichen Malers führen seine Bilder längst ihr eigenes Leben, als sündhaft teure Ikonen der Kunst. War es Selbstmord oder nicht? Egal. Van Goghs Kunst lebt!

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Neue Osnabrücker Zeitung
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Telefon: 0541/310 207

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