Neue OZ: Kommentar zu Literatur / Büchner



Osnabrück (ots) – Der Autor hinter dem Revoluzzer

Jedes seiner wenigen Werke war ein Paukenschlag, sein bestürzend kurzes Leben eine einzige Entladung von Kreativität und Radikalität. Mitten in das wabernde Biedermeier hinein warf Georg Büchner seine Dramen wie Speere mit messerscharf geschliffenen Spitzen. Das Leben? Kein Idyll, sondern eine Anhäufung von unausweichlichen Verhängnissen, jedenfalls in der Sicht Büchners.

Dass Marburger Wissenschaftler nun im Werk des explosiven Genies jedes Wort mehrmals umdrehen, darf nicht nur als Beweis trockenen Philologenfleißes abgetan werden. Das Projekt erschließt den Reichtum hinter den Schlagworten, auf die Büchner reduziert wird. Als Literaturrevoluzzer erklärte er den Palästen den Krieg, versprach den Hütten den Frieden. Als Autor verfuhr Büchner wohl nachdenklicher als bisher angenommen. Wir entdecken Büchner als Autor von unverhoffter Komplexität. Tradition muss immer wieder neu befragt werden, sonst sinkt sie zur leeren Erinnerung herab. Das lehrt auch das Büchner-Projekt. Dafür lassen die Experten sich Zeit, damit wir begreifen, wie wenig Zeit Büchner hatte, gemessen an seinem erstaunlichen Werk.

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