Osnabrück (ots) – Stimme aus einer anderen Zeit?
Nur keine Angst – der Hamburger Senat wird die letzte Ruhestätte
Wolfgang Borcherts sicher zum Ehrengrab erheben und dessen Pflege
folglich in eigener Regie weiterführen. Der Verfall des Grabes ist
dennoch symptomatisch. Denn er zeigt an, wie sehr das Interesse an
dem einst frenetisch gefeierten Autor nachgelassen hat. Kurz nach dem
Zweiten Weltkrieg war Borchert die Stimme einer ganzen um ihre
Hoffnungen betrogenen Generation. Inzwischen hat er nicht einmal mehr
seinen Platz im Deutschunterricht sicher.
Nicht allein Borcherts Pathos ist fremd geworden. Auch die
dramatisch beschworene Kriegserfahrung scheint entrückt. Wie auch
anders. Viele junge Leute haben ja nicht einmal mehr die Mauer mit
eigenen Augen gesehen. Das aktuelle Engagement deutscher Soldaten in
Kampfeinsätzen könnte jedoch dazu führen, dass Borcherts Anliegen
wieder zu den unseren werden. Wirkungsgeschichte bricht eben niemals
einfach nur ab.
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