Osnabrück (ots) – Ohne jedes Gespür
Gerhard Richter ist einer der ganz großen Künstler. Vor allem
deshalb, weil er es immer wieder schaffte, seiner Zeit die Bilder zu
geben, in denen sie sich wiedererkennen konnte. Ob “Onkel Rudi”, der
NS-Offizier aus dem Familienalbum, oder “October 18, 1977″, ein
Zyklus mit Bildern der toten RAF-Terroristen – Richters Bilder haben
selbst Geschichte gemacht.
Doch jetzt zeigt sich der Großkünstler ohne Gespür für wichtige
Themen. Das Porträt des Kölner Ex-Oberbürgermeisters Fritz Schramma
ist nicht nur eine matte Gefälligkeit, auf Hochglanz poliert. Das
Bild verfälscht auch die Wirklichkeit in fataler Weise.
Während die Kölner nur noch mit Wut auf den unfassbar destruktiven
Schlendrian ihrer Lokalpolitiker reagieren, liefert der Großkünstler
das glatte Honoratiorenbild jenes Mannes, den viele für einen
Versager halten. Richter hätte Schramma vor den Trümmern des
Stadtarchivs zeigen sollen. Das wäre ehrlicher gewesen.
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