Osnabrück (ots) – Keiner schreibt schöner als Johnson
Uwe Johnson wird nie populär. Dafür verlangt er Lesern zu viel ab:
Konzentration, Ausdauer, Wissen. Insofern hat der Germanist Helbig
unrecht, wenn er ihn in einer Liga mit Böll, Grass und Wolf sieht.
Und im Rang hat Johnson Vergleiche sowieso nicht nötig; der mit
Christa Wolf hätte ihn vermutlich sogar empört.
20 Jahre nach dem Mauerfall ist die Versuchung groß, Johnson nur
noch als Chronisten der Teilung zu lesen. Hier kann die neue
Johnson-Gesellschaft helfen. Gerade weil bei ihm Fiktion und
Geschichte verschmelzen, ist der Hinweis wichtig: Johnson ist kein
Historiker. Er erzählt nicht nur von deutscher Geschichte, sondern
auch davon, wie man sich im Handeln und im Schreiben zu ihr verhält.
Und seine Bücher erschöpfen sich nicht im Politischen. Sie sprechen
auf viel existenziellere Weise davon, was das Leben mit einem macht.
Hier hat Johnson Sätze geschrieben, deren Schönheit nicht zu steigern
ist. Auch das zu vermitteln, ist Aufgabe der neuen Gesellschaft.
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