Neue OZ: Kommentar zu Kultur / Festspiele / Nibelungen



Osnabrück (ots) – Tapfere Geschichts-Spiele

Die Stadt Worms liebt mittlerweile ihre Nibelungen-Festspiele, das mag Regisseur Dieter Wedel ein wenig darüber hinwegtrösten, dass zumindest überregionale Feuilletons sich über den munteren Leicht- und Flachsinn manch einer Nibelungen-Lesart nach John-von-Düffel- oder Moritz-Rinke-Manier mokierten. Die herablassend-milde Diagnose aus vielen Mündern, “echtes Sommertheater”, will er vielleicht so nicht auf sich sitzen lassen. Kühn wie ein Nibelungen-Recke stellt er sich der deutschen Geschichte. In diesem Jahr einem der heikelsten Kapitel, dem Fall des “Jud Süß” Oppenheimer, den Veit Harlans Film zur nationalsozialistischen Hetzpropaganda nutzte. In Worms dramatisiert zwar der israelische Autor Joshua Sobol den Feuchtwanger-Roman. Aber das Skandalöse klebt am Stoff und macht neugierig.

Auch Reformator Luther gedenkt der edle Regie-Ritter Wedel sich auf den Schild zu heben, und große TV-Stars weihen sich sicher wieder gern der nationalen Sache. Fehlt nur noch, dass die Wormser Geschichts-Spiele ins Welterbe aufgenommen werden. Dann hätte der Grüne Hügel endlich echte Konkurrenz.

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