Neue OZ: Kommentar zu Kultur / Festivals



Osnabrück (ots) – Event und Erwartung

Das Festival verspricht Freiraum, Offenheit, den Ausbruch aus der Kulturroutine. Darin liegt sein Reiz. Das Festival gerät aber längst in die Gefahr, selbst zur Routine zu werden. Seit Jahren kommen immer neue Festivals als Neugründungen hinzu. Das Schlagwort von der Festivalitis, an der die Kulturszene angeblich leidet, ist inzwischen so abgegriffen, dass es von kritischen Beobachtern der Kultur nicht mehr in den Mund genommen wird. Die Kontroverse um das Format bleibt hingegen.

Festivals funktionieren als Inbegriff des Events, als Ereignisse, die sich aus der Routine herausheben, sie erzeugen einen Ausnahmezustand der Kreativität, der Räume für Experiment und Wagnis öffnet. Genau dies brauchen die Künste ebenso wie die Verlässlichkeit der kontinuierlichen Kulturarbeit in den vertrauten Institutionen. Das Festival erlaubt den Sprung nach vorn. Oder besser gesagt: Es sollte ihn erlauben. Das Wagnis ist an manchen Orten inzwischen zur erwartbaren Ware geworden. Leider.

Denn Festivals werden, wie andere Kulturformate auch, nicht nur als Ereignisse der Kunst, sondern auch als Leistungsträger des Marketings für Städte und Regionen gesehen. Damit richten sich erhebliche Erwartungen auf die Premiumformate der Festivals von Bayreuth bis Salzburg. Sie sind zu Marken geworden, mit denen gutes Geld verdient wird. Hat das ästhetische Wagnis da noch Platz? Es muss ihn haben. Denn nur so können sich Festivals weiter behaupten.

Pressekontakt:

Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

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