Neue OZ: Kommentar zu Kriminalität / Ackermann / Briefbombe



Osnabrück (ots) – Zerrbilder

Anarchisten aus Italien verschicken eine Bombe an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Das ist noch kein Grund, die Rückkehr des Linksterrorismus zu beschwören, wie er in den Siebziger- und Achtzigerjahren einige Staaten Europas erschütterte, darunter auch Deutschland. Anlass zur Sorge gibt der versuchte Anschlag aber allemal.

Das liegt daran, dass es mit Ackermann ausgerechnet einen weltweit bekannten Spitzenbanker treffen sollte, eine Symbolfigur der Branche. Pauschale Kritik an Geldhäusern und ihren Managern hat infolge der Finanzkrise Konjunktur. Kein Partygespräch, in dem nicht von “Bankstern” die Rede ist oder von der “Lehman-Oma”, die vom Berater ihres Kreditinstituts über den Tisch gezogen wurde. So berechtigt die Kritik im Einzelfall sein mag: Insgesamt wird das Zerrbild einer ganzen Branche gezeichnet.

Das ist noch längst keine Straftat. Allerdings kann eine solche gesamtgesellschaftliche Stimmung gefährlich werden: dann nämlich, wenn sich Wirrköpfe in ihrer Auffassung bestätigt sehen, Gewalt gegen Bankenvertreter ausüben zu müssen. Löst der versuchte Anschlag auf Ackermann daher eine breite gesellschaftliche Debatte über Banken und ihre Verantwortung für die Finanzkrise aus, wäre das nur zu begrüßen. Denn das Ergebnis dieser Diskussion wird unweigerlich zeigen, dass die Probleme so einfach nicht zu erklären sind.

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Neue Osnabrücker Zeitung
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