Neue OZ: Kommentar zu Kachelmann-Prozess



Osnabrück (ots) – Viele Verlierer

Wer hätte das gedacht? Ein Großteil des Prozesses gegen Jörg Kachelmann wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Wer das Verfahren in manchen Medien verfolgt hat, könnte auch zu der Ansicht gelangt sein, die Reporter seien zu jeder Minute dabei gewesen. Nicht wenige in diesem “Publikum” dürften sich ihr Urteil gebildet haben, noch bevor die Richter heute ein Urteil sprechen.

Sex & Crime und ein Fernsehprominenter auf der Anklagebank – das war ein gefundenes Fressen für all diejenigen Medien, die mit dieser Mischung ihre Auflagen und Quoten zu steigern wissen. Längst nicht nur die üblichen Verdächtigen des Boulevards, auch etliche der sogenannten seriösen Medien konnten dieser Versuchung nicht widerstehen.

Gutachter und Zeuginnen gaben – zum Teil hoch dotierte – Interviews, Anwälte versuchten, die Medien zu steuern, und Deutschlands bekannteste Feministin Alice Schwarzer berichtete ausgerechnet für jenes Blatt, das seinen Lesern täglich das Frühstück mit einer barbusigen Schönheit auf Seite 1 versüßt.

Am Ende wird es mehr Verlierer geben als nur die Klägerin und den einstigen “Wetterfrosch”, den niemand mehr so nennen wird. Schon jetzt beklagen Frauenberatungsstellen, dass viele Vergewaltigungsopfer mit einer Anzeige zögern, weil sie vor dem Verfahren zurückschrecken. Dazu hat auch Alice Schwarzer beigetragen, selbst wenn sie das Gegenteil wollte.

Pressekontakt:

Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

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